Man pisst, man scheißt. Man wischt sich den Arsch ab. Man zieht sich, nachdem man geschissen hat und gepisst, sich den Arsch abgewischt hat, die Hose hoch. Beobachtet Exkremente. Das Pedal neben dem Lokus, mit dem man die Klappe unter dem Lokus öffnet. Baader hatte nie über den Flug der Scheiße geschrieben. Statt über den Flug der Scheiße zu schreiben, schreibt Baader über die fleißige Hausfrau im Haus unter der Eisenbahnhochbrücke. Kochwäsche, Buntwäsche, der Garten, die Gartenstühle, Haus und Hausdach. Klingelsturm an der Pforte. Feist und Feiste. Baader ist uns empfohlen worden. Wir hatten uns bei der Vergabe des Auftrages auf den guten Rat der Sachkundigen verlassen. Baader genießt unter Seinesgleichen einen exzellenten Ruf. Sein Leumund als Schreiber ist tadellos. Wir haben nie an ihm gezweifelt. Wir haben Baader mit unserem Auftrag in seinem Schaffen unterstützen wollen. Die Arbeit junger Künstler zu fördern, das ist unser Anliegen. Wir hatten uns entschieden, mit Baader Kontakt aufzunehmen. Ich war beauftragt worden, Baader zu besuchen. Bei meinem Besuch fand ich den Baader zum vereinbarten Termin vor einem Fernseher in einem Sessel schlafend vor. Eine Frau, möglicherweise Baaders Mutter, hatte mich eingelassen. Die Frau hatte Baader wachrütteln müssen. Baader aufstehen, Besuch. Baader saß dort in seinem Fernsehsessel in Unterwäsche, vermutlich die ganze Nacht hindurch. Er machte keine Anstalten, sich ein Gewand anzulegen. Wie Baader dort in Unterwäsche saß, tagsüber schlief und nachts und gar nichts tat, dachte ich, so geht es also zu bei den Künstlern und Literaten in unserem Land. Sich von jemand anderem aushalten lassen. Ab und an mal was schreiben. Ich muss gestehen, dass ich bereits damals eine Ablehnung gegen Baader verspürt hatte. Mein Bauch täuscht mich nicht. Irgendetwas in mir hatte mir schon damals gesagt, dass wir mit dem Baader Probleme bekommen werden. Ich stand die ganze Zeit. Baader war nicht auf die Idee gekommen, mir einen Platz anzubieten. Die Frau musste kommen, dass ich mich setzen durfte. Ich hatte dem Baader von der einstimmigen Beschlussfassung des Vorstandes berichtet. Ich dachte, Baader freut sich. Nichts dergleichen. Die Aussicht, seine existenzielle Not lindern zu können, schien den Baader überhaupt nicht zu interessieren. Ich skizzierte Baader unseren Zeitplan. Baader antwortete nur, wenn ich ihn etwas fragte. Baaders Antworten fielen einsilbig aus. Als ich ihn fragte, ob er noch irgendwelche Fragen hätte, verneinte Baader meine Frage. Ich hatte die ganze Zeit hindurch den Eindruck, dass Baader mit offenen Augen schläft. Oblomow ist der Titel eines Buches. Natürlich hatte ich Baader gefragt, ob er schon mal etwas von Otto von Guericke gehört hat. Durchaus, sagte Baader. Was er denn über Guericke wisse, hatte ich Baader gefragt. Einiges, hatte Baader geantwortet. Die Frau brachte Fettstullen mit Gurke, exzellenten Kaffee. Ob Baader denn bereit sei, das Buch für uns zu schreiben, hatte ich den Baader gefragt. Müsse man mal sehen, hatte Baader gesagt. Ich sah nirgendwo einen Schreibtisch, Bücherregale, eine Schreibmaschine vielleicht. Ich erzählte dem Baader, dass der Robert Menasse zum Schreiben ein Haus in den Bergen angemietet hatte. Wo er denn seine Schreibarbeit verrichte, fragte ich. Hier, sagte Baader, oder in der Küche. Mir kam es so vor, als würde der Baader überhaupt nicht arbeiten. Wir vereinbarten ein Telefongespräch, um das Notwendige zu besprechen, verabschiedeten uns. Die Frau brachte mich zur Tür.        

Neuigkeiten

  • Eintrag vom 20.09.2016 Baader Panik
    Der Verband der Deutschen Ingenieure begibt sich auf die Suche nach der Vaterfigur. Baader wird beauftragt...
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  • Eintrag vom 22.06.2016 Bernhard Studlar
    Er hätte nichts zu sagen, sagt Baader. Im Übrigen könne man sich seinen Abstieg vorstellen wie eine...
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  • Eintrag vom 04.05.2016 J. R. Möse
    Einige Alternativen später, hatte ich doch einsehen müssen, dass mein Widerstand gegen das Schreiben...
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  • Eintrag vom 22.04.2016 Rüdiger Schaper, Der Tagesspiegel
    Bald konnte ich feststellen, dass der Stoff doch nicht zur Mitnahme bereit liegt, wie Schnittwurst am...
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  • Eintrag vom 07.01.2016 Lisa Breit, Der Standard
    Anrede. Würde ich mich etwas mehr für die eigene Arbeit interessieren. Könnten wir ganz unbefangen...
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Zu Erstens. Betriebskosten Arbeitszimmer. Der Baader hat in seinem Weiterbewilligungsantrag in der Vorausschau der Betriebsrechnung anteilige Kosten für ein Arbeitszimmer geltend gemacht. Die Feiste ist dieser Angabe nicht gefolgt. Stattdessen möchte sie die gesamte Mietsache, das heißt sowohl das in der Mietsache genutzte Arbeitszimmer, als auch die durch den Baader ausschließlich privat genutzten Räume, in voller Höhe anerkennen. Zudem soll diese Anerkennung nach einer Einzelfallprüfung der Feiste unter Auflagen für einen begrenzten Zeitraum erfolgen. Der Baader beanstandet diese Vorgehensweise nicht. In seiner Änderungsmitteilung führt er das Arbeitszimmer dementsprechend auch nicht mehr in seiner Aufstellung der Betriebskosten. Es ist unklar, warum die Feiste dennoch in ihrem Widerspruchsbescheid zumindest implizit behauptet, der Baader mache weiterhin in seiner betrieblichen Abrechnung Kosten für den Unterhalt eines Arbeitszimmers geltend. Der Baader weist darauf hin, dass die Feiste im Bemessungszeitraum bislang nicht einmal für die rein privat genutzten Räume des Baaders vorläufige Leistungen ihrer tatsächlichen Höhe nach erbracht hat. Demnach ist der Baader in dieser Zeit bislang Erstens für einen Teil der Privaträume selbst aufgekommen und Zweitens für das Arbeitszimmer vollumfänglich. Lediglich in den Monaten November bis Dezember ist die Feiste nach ihrer eigenen Maßgabe für die tatsächlich entstandenen Kosten aufgekommen

Zu Zweitens. Aufwendungen betrieblich genutztes Kraftfahrzeug. Der Baader hält zur Wahrnehmung betrieblicher Aufgaben ein Kraftfahrzeug vor. Das Fahrzeug wird als Teil des Betriebsvermögens des Baaders steuerrechtlich erfasst. Der Baader führt ein kilometergenaues Fahrtenbuch zum Nachweis der betrieblichen Nutzung. Weder in einer gemeinsam durch die Feiste und Baader unterzeichneten Zielvereinbarung, noch in einem ersten Bewilligungsbescheid, hat die Feiste dem Baader gegenüber Zweifel an der Notwendigkeit zur Vorhaltung des Betriebswagens zum Ausdruck gebracht. Einen derartigen Zweifel, wenn man ihn überhaupt als solchen bezeichnen kann, hat die Feiste erst in ihrem vorläufigen Bescheid zur Weiterbewilligung formuliert. Die Feiste schreibt, ihr sei nicht plausibel genug dargestellt, wofür ein betrieblich genutztes Kraftfahrzeug benötigt werde. Die Feiste kann weder aus einem bestimmenden Beiwort, noch aus entsprechenden Erklärungen des Baaders erkennen, dass der Betriebswagen für den Baader zur Ausübung seiner Arbeit unverzichtbar ist. Sowohl in ihrem Weiterbewilligungsbescheid, als auch in einem Widerspruchsbescheid, erklärt die Feiste dem Baader, dass sie den Betriebsgegenstand Auto nicht anerkennen könne, da dessen Notwendigkeit nicht durch den Baader belegt worden sei. Der Baader erklärt dazu, dass er nach Maßgabe der Feiste zu einem derartigen Nachweis weder vor Beginn des Bewilligungszeitraumes verpflichtet war, noch in dessen Verlauf. Die Feiste selbst erklärt sowohl in den Ausfüllhinweisen zu ihrem Formblatt Einkommen aus selbstständiger Arbeit, als auch in ihrem Widerspruchsbescheid, dass eine abschließende Auswertung des betrieblichen Ergebnisses aus selbstständiger Arbeit erst nach Ablauf des Bewilligungszeitraumes erfolgt. Ein Leistungsbezieher hat demnach erst ab diesem Zeitpunkt entsprechende Nachweise zu Einnahmen und Ausgaben zu erbringen. Nicht jedoch innerhalb des Bewilligungszeitraumes. Demnach stand es der Feiste nicht zu, dem Baader Nachweise zu Aufwendungen aus dem Betrieb des Kraftwagens zu den oben genannten Zeitpunkten abzuverlangen. Die pauschale Nichtbeachtung des betrieblich genutzten Fahrzeuges des Baaders war zu jeder Zeit unrechtmäßig. Auch der Versuch der Feiste, diese Rechtsbeugung als eine vorläufig rechtmäßige Handlung zu begründen, muss demnach angezweifelt werden. Nach dem Ablauf des Bewilligungszeitraumes lieferte der Baader der Feiste in einer abschließenden Auswertung die entsprechenden Nachweise zur betrieblichen Nutzung des Kraftwagens. Der Baader stellt nunmehr fest, dass der Feiste neben diversen Belegen, Rechnungen und Kontoauszügen, auch ein lückenlos geführtes Fahrtenbuch als Fotokopie vorliegt. Jede einzelne Fahrt in diesem Buch ist mit einer Begründung versehen. Warum die Feiste diese Begründungen nicht anerkennen kann, entzieht sich bislang vollkommen der Kenntnis des Baaders. Ganz entschieden widersprechen muss der Baader vor allem der Behauptung der Feiste, wonach sich zwischen dem Fahrtenbuch und der abschließenden betrieblichen Auswertung des Baaders erhebliche Abweichungen finden lassen. Beim besten Willen kann der Baader diese angeblichen Abweichungen nicht finden. Auf eine entsprechende Nachfrage des Baaders an die Feiste ist die Feiste bislang nicht eingegangen. In ihrem Widerspruchsbescheid zweifelt die Rechtsstelle der Feiste die Richtigkeit des Fahrtenbuches nunmehr auch gar nicht mehr an. Stattdessen stellt sie die Behauptung auf, dass das Fahrzeug des Baaders durch den Baader zu einem ganz erheblichen Anteil privat genutzt werde und schon daher nach dem Rechtsgedanken des Einkommenssteuergesetzes nicht berücksichtigt werden kann. Sowohl in seinem Fahrtenbuch, als auch in seiner betrieblichen Auswertung, weist der Baader für den Bewilligungszeitraum eine durch ihn erbrachte Gesamtfahrleistung von 11k nach. Davon entfielen 8,6k auf einen betrieblich bedingten Anlass, die restlichen 2,4k entfallen auf Privatfahrten. Die Fahrleistungen in anderen Bemessungszeiträumen weisen ähnliche Verhältnisse auf. Die Frage der Feiste, inwieweit es freischaffend tätigen Autoren überhaupt möglich ist, Gründe für das Vorhalten eines Betriebswagens plausibel zu belegen, vermag der Baader nicht für andere und schon gar nicht für alle Autoren beantworten. Es ist auch nicht seine Aufgabe. In seinem Fall jedoch hat der Baader die Anlässe seiner Dienstfahrten nachvollziehbar dargestellt. Es sei daran erinnert, dass das Führen eines Fahrtenbuchs zuallererst den Zweck hat, die jeweiligen Anteile betrieblicher und privater Nutzung sichtbar zu machen. Entsprechend macht der Baader auch nicht die gesamten Kosten für Unterhalt und Betrieb des Fahrzeuges geltend, sondern anteilig lediglich jene Kosten, die sich aus einer dienstlichen Nutzung ergeben haben. Zudem hat der Baader durch den Tausch seines bis dahin kreditfinanzierten Fahrzeuges gegen einen älteren Gebrauchtwagen seine betrieblichen Aufwendungen innerhalb des Bewilligungszeitraumes deutlich senken können. Die Veränderung im Betriebsvermögen hat der Baader der Feiste zuerst in einem Schreiben vom sechzehnten November angezeigt. Feist hat bislang in keiner Weise auf dieses Schreiben reagiert

Schätzungen kleinrechnen, Widersprüche als unbegründet abschmettern, nachgewiesene Betriebsausgaben im Nachhinein als nicht nachgewiesen deklarieren. Baader weist darauf hin, dass das Vorgehen der Feiste in seiner Sache kein Einzelfall ist. Wie oben zu sehen, taktiert die Feiste zu Lasten des Baaders. Leistet der Baader einen begründeten Widerspruch gegen einen Bescheid der Feiste, liefert die Feiste im Widerspruchsbescheid mitunter vollkommen neue Gründe, warum das Erbringen einer Leistung verweigert werden müsse. Bereits eingereichte Nachweise werden als nicht eingereicht deklariert. Ein erfolgtes wird zu einem nicht erfolgten Zuarbeiten. Der Baader sieht daher die vielzitierte Vorgabe des Gesetzgebers, Fördern und Fordern, nicht zu gleichen Teilen durch die Feiste erfüllt. Die Feiste hat dem Baader nicht einmal den Leistungssatz eines Alleinstehenden für Lebensunterhalt und Miete, das absolute Minimum von dem, was nach Vorgabe des Gesetzgebers notwendig ist, um in der Bundesrepublik überhaupt existieren zu können, zugestehen wollen. Sie hat sich vorsätzlich ihrer Führsorgepflicht entzogen. Das Handeln der Feiste war und ist nicht nur vollkommen unverhältnismäßig, es ist auch Zeugnis einer systematischen Rechtsbeugung. Der selbstständig tätige Baader wurde durch die Feiste einem arbeitssuchenden Leistungsbezieher gegenüber, denen die Feiste Leistungen zeitgerecht und den Regelsätzen entsprechend zur Auszahlung bringt. Benachteiligt

In seiner abschließenden Auswertung aus dem November weist Baader der Feiste gegenüber betriebliche Einnahmen aus selbstständiger Erwerbsarbeit in Höhe von 6,5k nach. Diesen Einnahmen stehen betriebliche Ausgaben in Höhe von 10,5k für den gleichen Zeitraum gegenüber. Aus der Gewinn und Verlustrechnung ergab sich dementsprechend ein gewaltiger Verlust. Baaders Ruin deutet sich an. Feiste ist das alles scheißegal. Sie folgt dem Baader bei den Einnahmen. Die Betriebsausgaben hingegen schätzt sie vollkommen anders ein. Statt der vom Baader tatsächlich nachgewiesenen 10,5k, möchte Feiste lediglich Aufwendungen von irgendwas bei 4,4k erkannt haben. Die Zettelberge, die Baader nachgewiesen hat. Kontoauszüge, Schankbelege, Rechnungen. Hat die Feiste der Auswertung entnommen, um sie einer raschen Kompostierung zuzuführen. Auf dass sich der natürliche Kreislauf des Holzes schließe. Aus einem betrieblichen Verlust in der Auswertung des Baaders wird so bei der Feiste ein Gewinn in Höhe von 2k. Baader bezeichnet das Vorgehen der Feiste als eine Kriegserklärung. Gebt mir Feuer, und ich mache euch Feuer. Ihr Schweine
Die Feiste behauptet in ihrem Schriftsatz aus dem September, die Kosten für den betrieblich genutzten Kraftwagen des Baader seien durch den Baader nicht plausibel dargestellt worden. Wozu braucht Baader ein eigenes Auto. Feiste behauptet zudem, der Baader hätte die Kosten nicht nachgewiesen. Angaben aus dem vom Baader geführten Fahrtenbuch für den Kraftwagen des Baaders würden von denen in der Anlage abweichen. Baader hatte der Feiste dazu  geschrieben. Er hätte der Feiste die Gründe für die Entstehung von Kosten also Aufwendungen betrieblich begründete Aufwendungen betrieblich begründete Aufwendungen aus selbstständiger Lohnerwerbsarbeit also mehrfach erklärt. Der Hinweis des Feist, die Angaben im Fahrtenbuch würden nicht mit denen in der Anlage übereinstimmen, sei für den Baader nicht nachvollziehbar. Die Zahlen seien identisch. Das Fahrtenbuch sei weder unsachgemäß geführt, noch weise die Anlage Abweichungen auf. Nachdem sooft behauptet wurde, dass irgendwelche Belege fehlen, einzelne Posten fehlerhaft angegeben wurden, Aufwendungen nicht plausibel belegt worden seien, ist mir klar geworden, dass es überhaupt nicht darum ging, die tatsächliche Situation darzustellen. Die ordentliche Verwaltung. Den transparenten Staat. Die Ordnung der Gleichen unter Gleichen. All das gab es nicht. Demokratie war genauso ein Dreck, wie alles davor. Die feudalen Strukturen waren institutionalisiert worden. Dass man einen Despoten nicht einfach so beim Namen nennen und auf dem Platz vor dem Rathaus hinrichten konnte. Systematischer Rechtsbruch durch den Rechtsgeber. Ständig passierten irgendwelche Schweinereien. Sachbearbeiter entschieden nach Lust und Laune über mein und das Schicksal einer Menge anderer Leute. Mein Aushungern fand nicht mehr in Kerkerhaft. Mein Vertrocknen erfolgte als Verordnung. Alles zum Leben würde mir verfügbar gemacht werden. Worüber ich mich etwas freuen könne. Ich hatte für das Auto ein Fahrtenbuch geführt. Weil ich wusste, dass bei einer Steuerprüfung das Fahrtenbuch größte Probleme macht. Hatte ich das Fahrtenbuch immer sehr genau geführt. Die Einträge entsprachen natürlich vollkommen der Wahrheit. Als Zweck der Reise hatte ich entweder Recherche Roman angegeben oder Beratung Roman, manchmal sogar beides. Aus Freunden und Bekannten, Familienmitgliedern bisweilen, wurden beste Berater. Das schmeckte der Feiste natürlich nicht, dass ich nie in den Urlaub fuhr, überhaupt kein Privatleben pflegte. Alles was ich tat, in irgendeiner Weise aus dienstlichen Gründen erfolgte. Zu all den Steuern, die ohnehin jeder zahlen muss. Kam bei mir seit Jahren nichts mehr. Ich hatte meine Zahlungen an die Solidargemeinschaft eingestellt. Ich musste der Feiste noch nicht einmal etwas vorenthalten. So gut ließ sich mein Leben begründen            
Feiste schreibt im Dezember, der Baader habe für den Bemessungszeitraum Steuerberatungskosten in Höhe von 1,2k geltend gemacht. Baader sagt, alles sei Behauptung. Die mit seinem Fall betraute Sachbearbeiterin Maule sei weder imstande gewesen noch willens, sich mit seiner betrieblichen Abrechnung vertiefend auseinanderzusetzen. Die Jahre in der Autonomiebehörde. Bei der Sachbearbeiterin Maule hätte sich eine Menge Frust angestaut. Die Unmöglichkeit in der eigenen Arbeit so etwas wie einen Sinn zu erkennen. Die ständigen Versetzungen innerhalb des Hauses. Das Ausgeliefertsein Vorgesetzten gegenüber. Trockene Luft im gesamten Gebäude. Die miesen Drehstühle, auf denen keiner sitzen kann. Die Auslagerung der Kantine an eine private Betreiberfirma. Schokoriegel und Wiener Würstchen zu horrenden Preisen. Immer neue noch mehr schwachsinnige Dienstvorschriften. Die Besetzung des Ministeramtes mit der Andrea Nahles. Steuerberater. Lektoren. Rechtsanwälte. Baader hatte Aufwendungen von insgesamt 2,1k für Beraterleistungen angegeben. Baader hatte keine Ahnung, woher die Feiste ihre Zahlen nahm. Baader sprach von einem willkürlichen Handeln der Feiste. Die Feiste behauptete, der Baader hätte keine entsprechenden Belege beigebracht. Andere Leistungsberechtigte hatten ebenso keine Belege erbracht. Nie kamen die entsprechenden Belege im Gehäuse der Autonomiebehörde an. Hinter den Parkplätzen der Angestellten hatten Angestellte einen kleinen Garten angelegt. Aus Betriebskostenabrechnungen, Kontoauszügen, Rechnungen, Fotokopien irgendwelcher Mietverträge wurden Papierschnipsel gefertigt. Die Abteilung hatte zusammengelegt, einiges Gartengerät gekauft. Das Papier wurde unter die Erde gehoben. Es bildete eine hervorragende Grundlage für ein prächtiges Pflanzenwachstum. Dass hinter den Parkplätzen ein Garten angelegt wurde, sprach sich schnell rum. Aus allen Abteilungen kamen Freiwillige, die gerne Blumen gießen wollten und Tomaten. Aus einer kleinen nebensächlichen Angelegenheit hatte sich eine Aufgabe entwickelt, die bald sämtliche Kräfte des Hauses bündelte. Als Baader das erste Mal die Autonomiebehörde betrat, war das Autonomiegehäuse schon vollkommen eingewachsen            
Wenn ich es richtig verstehe. Dann war die junge Frau dem die Straße hinabfahrenden Baader kurze Zeit zuvor mit ihrem Rad in die Spur gefahren. Keine große Sache. Ein vollkommen gewöhnlicher Vorgang. Ein Spurwechsel, bei dem jemand vergessen hat, über die Schulter zu schauen. Eine Nachlässigkeit. Eine Kleinigkeit. Über die jeder einigermaßen normale Mensch hinweg sieht. Was glauben Sie denn, wie viele Male jeden Tag in dieser Stadt Spuren gewechselt werden. Wie viele Male also. Was willst Du denn. Pissnelke. Viele Male halt. Nicht der Rede wert. Kein Grund sich aufzuregen. Der Baader jedenfalls, kann diese Nichtigkeit nicht auf sich beruhen lassen. Fühlt sich gleich wieder persönlich angegriffen. Wie es seine Art ist. Blafft der Baader die junge Frau auf dem Fahrrad an. Die junge Frau daraufhin. Fährt dem Baader hinterher, stellt den Baader an der Kreuzung zur Rede. Verbietet dem Baader, sie nochmals als eine alte Ledertasche zu bezeichnen. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die junge Frau den Baader frech angegangen ist. Dass sie den Baader gar angespuckt hat, wie es der Zeuge gesehen haben will. Dass der Baader die junge Frau mit der Faust ins Gesicht geschlagen hat. Das hingegen glaube ich sofort. Wir brauchen da nicht weiter drüber zu reden. Ich habe die Fotos gesehen. Ich habe gesehen, was der Baader mit der jungen Frau auf dem Fahrrad gemacht hat. Was ich auf den Fotos gesehen hätte. Was soll ich auf den Fotos gesehen haben. Allerschlimmste Gewalt habe ich zu sehen bekommen. Vielmehr. Die Folgen allerschlimmster Gewalt. Zumal gegen eine junge Frau. Ohne einen erkennbaren Anlass. Wegen nichts und wieder nichts hat sich diese Gewalt entladen. Nun wird gesagt, der Baader habe sich widerstandslos festnehmen und abführen lassen. Darüber kann ich nur lachen. Und das mache ich jetzt auch. Dass das nicht sein kann, Baader widerstandslos. Ist allen klar, die dabei waren. Gesehen haben. Wie der Baader erst festgenommen, dann abgeführt wurde        
Ganz wie Sie es wünschen. Das verstehe ich schon. Dass es gut wäre und auch richtig, endlich mal dort hinzufahren. Und also sofort loszufahren. Loszulaufen. Sparpreis oder kein Sparpreis. Dass ich nicht dort hinfahre. Ich nicht dort hinfahren kann. Hat nichts mit Dir zu tun. Kann gar nichts mit Dir zu tun haben. Wie gerne ich mit Dir fahren. Wie gerne ich Dich dort treffen. Würde. Nur bekomme ich mein Unbehagen nicht in den Griff, was das Reisen anbelangt. Mir fehlt es an Vertrauen. Vertrauen und Härte mir selbst gegenüber. Vertrauen in die Deutsche Bahn. Die neuen Intercity Wagen bekommen Ganzraumteppich. Man sitzt in den neuen Wagen genauso beschissen wie in den Regionalbahnen. Der neue Intercity ist eine Regionalbahn in anderer Farbe. Der große Vorteil ist, dass die Fahrkarten viel teurer sind. Gestern große Vorstellung in der Tagesschau. Feiste war persönlich zugegen. Der Fahrgast habe diese Wagen anzunehmen. Ich glaube ihm nicht. Dass es keinen Anlass gäbe, beunruhigt zu sein. Ich selbstverständlich wieder an den Ausgangspunkt meiner Reise zurückkäme. Denke nur daran, was man Odysseus und seinen Leuten versprochen hat. Die schöne Helena im Bahnjournal. Zeigt allen ihre riesenhafte alte Tasche. Lederhaut. Die sie von ihrer Mutter geerbt hat. Ich hatte die Woche nochmals im Verlag angerufen. Durch den Verlag erfuhr ich, dass es in Leipzig keine Stimmung gibt. Auf meine Frage, was die Leute aus Leipzig denn nun gesagt hätten. Hatte ich keine Antwort erhalten. Keine Antwort zu erhalten sei die Antwort gewesen, die der Verlag aus Leipzig erhalten hätte. Schnell nochmal nachlesen bei Habermas. Wir haben ein großes Interesse. Sei eine Plattitüde, wie sie in Dramaturgien oft angewendet werde. Wir freuen uns total auf den nächsten Text. Wir finden diesen Autor total interessant. Wir hatten schon davon gehört, dass das Gastspiel bei den Autorentheatertagen so richtig gut gelaufen sei. Ich hatte mir nochmal die Abschrift der Rede durchgelesen, die Lotz in Mülheim als Laudation auf den Kollegen Höll gehalten hatte. Ich bin wieder zu dem Ergebnis gekommen, dass Lotz sich durch sein Reden im Festspielgehäuse. Er hatte viel weniger über Höll geredet und dessen Schaffen, als über sich selbst. Vor allem bei Dramaturgen und Kritikern angewanzt hat. Hier taucht endlich jemand auf, der es der Gegenwartsdramatik mal richtig gibt. Hätte er besser mir einen geblasen als dem Marsch. Jedenfalls muss man nicht besonders mutig sein und schon gar nicht helle, um pauschal eine ganze Berufsgruppe als unfähig abzuurteilen. Der Doktor Oberblomow war schon im Jahr nach seiner großen Erregung zurückgerudert. Nicht weil er eingesehen hat, dass es faschistoid ist, sich irgendwo hinzustellen und zu sagen. Diese Leute werden nicht mehr gebraucht. Ich habe Lastwagen vor dem Haus der Berliner Festspiele auffahren lassen. Die Frau Büdenhölzer wird Ihnen jetzt Ihre Karten geben. Außerdem bekommen Sie Essenmarken und jeweils zwei Getränkegutscheine pro Person. Gegen Autoren zu hetzen ist von all dem Billigen, was der Staatstheaterbetrieb zu bieten hat, das Allerbilligste. Es ist so, als wenn jemand sagt. Er wolle sich nicht falsch verstehen lassen. Er sei ein moralischer Mensch. Er hätte nichts gegen anderen Menschen. Er hätte auch nichts gegen Ausländer und also Flüchtlinge. Aber irgendwie doch. Weil nämlich diese Leute uns allen. Ihm zuallererst. Die Arbeit wegnehmen. Der Ausländer nämlich sein Glied in die Scheide der Frau. Die so genannten Neger also Afrikaner also bei uns in Sachsen Neger. In unsere vollgefurzten Betten furzen. Weil nämlich Ausländer, Reisende, Neger, Araber und Türken und so weiter. Noch mal drüber nachdenken. Die Ausübung einmal angelernter kultureller Handgriffe. Flüchtlinge und Autoren vereint, dass sie keine Vereinigung haben, die irgendetwas zu sagen hat. Maul halten, zum Beispiel.Ich habe immer noch ein ungutes Gefühl, wenn ich an Leipzig denke. Es ist nicht mehr das Hassgefühl, das es noch vor ein paar Jahren gab. Das Haus in der Davidstraße ist als Letztes saniert worden. Die Dozenten am Literaturinstitut werden immer noch sorgfältig ausgesucht. Man muss jetzt ein Abitur mitbringen, um dort studieren zu dürfen. In der Dichterschule wird darauf bestanden. Dass das Schreiben bitteschön aus einer politischen Überzeugung heraus erfolgt. Rinke. Trojanow. Julia Barbara Zeh. Konsensschreiber werden eingeladen, die Richtung vorzugeben. Treichlinger hat sich selber mit Hans Werner Richter verwechselt. Einmal fahren wir gemeinsam im Fahrstuhl, da sagt er zu mir. Herr Baader, ob Sie es oder nicht glauben. Ich hatte mir nach der Auflösung der Gruppe 47 immer eine eigene Gruppe gewünscht. Ich hatte so einen großen Auflösungsschmerz gespürt. Hier in meiner Brust. Wenn Sie mal schauen wollen. Eine derartige Verlustangst. Ich war so froh gewesen, dass mir die Stadt Leipzig dieses Haus zur Verfügung gestellt hatte. Ich hatte meine Professur bekommen. Als ich meine Professur bekommen hatte, wusste ich. Dass ich endlich den Roman schreiben kann, den ich immer schreiben wollte. Ich werde mich dafür nächstes Semester ein ganzes Semester lang freistellen lassen. Auf Wiedersehen. Aber anders als Sie denken.  
Berichtige mich bitte, für den Fall, dass ich etwas durcheinander bringe: In der Zeit zwischen der Übernahme und dem Antritt seiner Intendanz, tritt Fiste vor allem durch den von ihm und Rosinski vollstreckten Austritt des Volkstheaters aus dem Oberkommando Bühne in Erscheinung. Dieser Schritt hat nicht nur zu Folge, dass den Musikern der Norddeutschen Philharmonie künftig für gleiche Arbeit weniger Gage gezahlt wird, sondern, und das ist viel wichtiger, dass elementare Arbeitnehmerrechte, wie das Recht auf ein großes Maul, nicht mehr zur Anwendung kommen werden. Auch wenn es anders verkauft worden ist, nützt diese Maßnahme natürlich nicht den Musikern, sondern vor allem Fiste und Rosinski selbst. Sie haben Stärke bewiesen, wofür sie nun belohnt werden. Fiste zum ersten Mal, was die Sache für ihn besonders macht
Dem Kampf voraus geht eine gewaltige Medienarbeit. So genannte Medienpartnerschaften werden geschlossen, manche davon ganz offensichtlich und unverhohlen. Ein Beispiel wäre die Kooperation mit der Ostsee Zeitung. Das Zentralorgan liefert nunmehr regelmäßig Sättigungsbeilagen an das Volkstheater. Gleichzeitig bestellt es weiterhin einen Großteil der zitierfähigen Kritikarbeit. Das alles natürlich weiterhin vollkommen unabhängig und aus freien Stücken
Eine Vielzahl an Interviews, durchaus ohne konkret erkennbaren Anlass, begleiten die ersten Angriffswellen. Fiste wird als bester Mann vorgestellt. Einer von uns, der sich von ganz unten hochgearbeitet hat. Diese Maßnahme zur Vertrauensbildung wird den Soldaten als unausweichlicher Schritt vorgestellt, den man in Ermangelung an Alternativen schließlich gehen muss. Der Öffentlichkeit wird ein schönes Rettungsmärchen erzählt. Fiste, da bereitet er mir die meiste Freude, behauptet gar, er und seine Mannschaft hätten die Titanic gehoben. Sie sei ein geiler Dampfer und liege nun in Maul an der Kaje
Als Ausländer lernte ich schnell andere Ausländer kennen, die wie ich zum Studieren nach Deutschland gekommen waren. Mit Mohamed teilte ich mir bald eine kleine Wohnung. Wir wurden schnell Freunde. Mohamed kam wie ich aus einem so genannten guten Haus. Er war ein hervorragender Student. Dessen Leistungen weit über dem Durchschnitt der anderen Studenten lagen. Wer Mohamed nicht kennt, der kann nicht sehen, welche Fähigkeiten in ihm verborgen liegen. Mohamed ist nicht besonders groß. Er wirkt nicht besonders kräftig. Aber Mohamed ist ausdauernd und zäh. Was mir bis heute ein Rätsel ist. Warum sich Mohamed für ein Studium der Elektrotechnik eingeschrieben hatte. Wo es in dem syrischen Kaff, aus dem Mohamed kommt. Die meiste Zeit noch nicht einmal elektrischen Strom gibt
Dass Mohamed im Alter von sechzehn Jahren die Enthauptung eines französischen Reisereporters mit einem Camcorder von Sony aufgenommen hatte. Hat mir mein Freund gleich bei unserem ersten Treffen erzählt. Es sei alles eine Frage der Technik. Und natürlich sei man auf ein geeignetes Werkzeug angewiesen. Zumindest ein ausreichend geschärftes Messer sollte man immer bei sich führen. Ansonsten könne jeder, der schon mal eine Ziege geschächtet habe, ohne weiteres auch einen Menschen töten
Eine deutsche Autobahn. Zwei Berater eines Beratungsunternehmens. In einem Rückspiegel. Ein Mietwagen. Der größer wird. Lampen. Die aufgeblendet werden. Mehrfach Licht. Zwei Berater in einem Mietwagen auf einem Rastplatz. Einem Bedürfnis nachgehen. Beiden. Nachgestellt wird. Jemand. Jemand anderem eine Frage stellt. Zu einem Abteil. Jemand eine Klappe öffnet. Hinter der sich ein Argument befindet. Das zutreffend ist und wieder und wieder geschwungen werden muss.  
Es handelte sich im Grunde um eine Kleinigkeit. Der Beklagte war auf dem Weg zu seinem Fahrrad gegen eines der anderen Fahrräder gestoßen. Das erste Fahrrad fiel gegen das zweite. Das zweite gegen das dritte. Und so weiter. Ich hatte den Beklagten aufgefordert, alle Fahrräder wieder hinzustellen. Schließlich waren diese durch dessen Handeln zu Fall gekommen. Die Behauptung des Beklagten, er habe mit der gesamten Angelegenheit nichts zu tun, eine Windböe habe die Räder umgeworfen, ist unzutreffend. Schließlich. Habe ich keine Erklärung dafür, warum mir der Beklagte ins Gesicht geschlagen hat. Warum der Beklagte eine Frau schlug. Ich erinnere mich an einen stechenden Schmerz, den ich als Folge des Schlages verspürt habe. Keineswegs hatte ich den Beklagten zuvor geduzt oder als ein Arschloch bezeichnet. Auch habe ich den Beklagten nicht an seiner Kleidung gehalten. Wofür es Zeugen gibt. Die Gewalt, die sich gegen mich richtete, entlud sich ohne einen von außen zu erkennenden Anlass  
Verlag Felix Bloch Erben. Honorarabrechnung vom 16.07.2014. Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin gGmbH. Tantieme Männer Frauen Arbeit für / 6 Aufführungen Monat Januar, 738,79€ / 2 Aufführungen im Februar, 246,26 / 1 Aufführung im März 123,13
Theater Rampe Stuttgart. Der Hund des alten Mannes. Tantieme für 9 Aufführungen. 805,95€
Peter Laudenbach im Gespräch mit Armin Petras. Zitat. Herr Petras, Sie sagen Komma Konzentration sei fokussierte Anspannung aller Fähigkeiten auf ein Thema. Zusammen mit dem Portraitfoto, welches Sie zwischen vom Schnürboden herabgelassenen Scheinwerfern stehend, Mütze auf dem Kopf, Hände in den Taschen, Texasuniform, volksnah, in einer Pose zeigt, die sich aus Lässigkeit, Übermüdung und Desinteresse zusammensetzt, möchte ich Sie fragen, ob sie tatsächlich der Meinung sind
Daniele Muscionico, geboren neunzehnhundertzweiundsechzig in Buchs (St. Gallen). Studium der Germanistik und Kunstgeschichte in Zürich und New York. Kulturredakteurin, Theaterkritikerin, Autorin, freie Publizistin
Bernd Noack, Braunschweig. Buchhändlerlehre und Volontariat. Stipendiat der Boschstiftung
Der Doktor Oberblomow habe sich vor Lachen tatsächlich in die Hose seichen müssen, als Reese ihm erzählt habe, dass er aus ganz einfachen Verhältnissen käme. Dass er sich, man könne es sich kaum vorstellen, in jahrelanger, wenn nicht jahrzehntelanger, schwerer und allerschwerster Arbeit von ganz unten nach ganz oben gearbeitet habe. Es seien gerade keine einem Stand entsprechenden Erbrechte gewesen, wie man sie am Theater so oft vorfinde, die ihm seinen Posten in Frankfurt eingebracht hätten, sondern ausschließlich sein fleißiges und ausdauerndes Arbeiten. Im Grunde, so Kneete, könne es jeder, der es so treibe, wie er es getrieben habe, ohne weiteres zum Intendant bringen      

Dass auch bei diesem Stoff kein Potential zu entdecken war, dass es im Grunde von Anfang an scheißegal ist, was geschrieben wird, dass dieser Text wie alle Texte zuvor genommen und weggeworfen wurde, zeigt mir, dass es bei Rowohlt ohnehin nicht weiter gegangen wäre, dass die Zeit reif war für eine Veränderung
Die Produktion am Schauspiel Frankfurt war gerade nicht durch ein besonderes Interesse der Dramaturgie an einem Stoff zustande gekommen, sondern durch einen Preis, den mir der Bundesverband der deutschen Industrie nach zweieinhalb Jahren Theaterarbeit für mein Lebenswerk verliehen hatte. Wie bei allen anderen Preisen zuvor, war auch an diesen Preis eine so genannte Uraufführung gekoppelt, so dass Reese, damals Intendant in Frankfurt, davon ausging, dass ich mich erstmal bei allen bedanke und ihm, nachdem ich mich bei allen bedankt hatte, für sein Haus etwas schreiben werde, für das er überhaupt nichts bezahlen muss. Nun hatte ich, nachdem ich bereits einige Male für Scherzgagen oder wie bei Petras gleich für lau gearbeitet hatte, keine Lust, nun auch noch für den Toppverdiener Reese Frondienste zu leisten. In Anbetracht der Tatsache, dass bereits damals jeder in Frankfurt mehr verdient hatte als ich es tat, im Gegensatz zu mir niemand seinen Namen und seine Biografie („Der Wutnörgler aus dem Osten“) herzugeben hatte, empfand ich zwölftausend Euro als nicht unangemessen hoch. Gezahlt wurden schließlich achteinhalb. Monatelang bestellte ich mir kistenweise Wein, deklarierte diese Bestellungen, die ich schließlich in nächtelangen Krächen alleine aufbrauchte, der Steueraufsicht gegenüber als Geschenke an meinen damaligen Lektor, der die Verträge mit dem Schauspiel Frankfurt verhandelt hatte     
Miele schleppt einen Aluminiumkoffer mit sich herum, in dem sich Teile des Gehirns des Christoph Schlingensief befinden. Die Universität hat die Durchführung einer Versuchsreihe angeordnet. Der Herr Professor versucht mithilfe der Proben, die aussehen wie Schwarzwälder Schinken zwischen zwei Glasplatten, den Nachweis zu erbringen, dass das Gehirn Schlingensiefs einer Mutation ausgesetzt war. Diese Mutation, soviel wisse man bereits, tritt ausschließlich in Apothekerfamilien auf. Betroffen seien vor allem Apothekersöhne. Erste Anzeichen seien ein besonders unkonventionelles Verhalten während der Arbeitszeit sowie ein besonders hohes Bedürfnis nach öffentlicher Anerkennung. An der Universität würde bereits vom so genannten Schlingensiefsyndrom gesprochen. Eine erste Feldstudie sei in Vorbereitung. Der Herr Professor gehe davon aus, dass mindestens ein Drittel der als Idiot in der psychiatrischen Klinik des Landeskrankenhauses einsitzenden Patienten in ihrem Krankheitsbild, zumindest in Ansätzen, möglicherweise ganz und gar falsch beraten worden seien. Ein Teil dieser Patienten habe sich bereits zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen. Es käme eine Welle der Empörung auf die Ärzte zu, wie sie die Republik so noch nicht erlebt habe
Vom Hafen Schaprode aus fahren Fähren zur Insel Hiddensee. Obwohl eher unscheinbar, rohrgedeckte Fischerhäuser, Einfamilienhäuser aus den achtziger Jahren, ein Kriegerdenkmal, eine Kirche, wie man sie in vielen Orten auf der Insel Rügen findet, gilt Schaprode als besonderes Dorf. Die Einwohner Schaprodes, Inselgesichter, von ihrem Wesen her abwartend und vorsichtig, Wattejacke, Prinz Heinrich Mütze und Filzstiefel, sind außergewöhnlich geschäftstüchtig. Sie arbeiten tagsüber in Festanstellung für die Gemeinde, streichen Steine, die das Parken auf Fußwegen verhindern sollen, mit weißer Farbe an, arbeiten als Hafenmeister, Kindergärtnerin oder Kutscher. Nach der Arbeit und nebenbei vermieten die Schaproder ihre Dachböden und Schweineställe als Ferienwohnung. Auf der Wiese hinter dem Haus stehen Trailer für die Boote der Angler. Unter Obstbäumen finden sich Stellplätze für die Kraftwagen der Hiddenseefahrer. Parkgebühren sind eine wesentliche Einnahmequellen der Schaproder. Der Schaproder hat immer etwas zu tun. Seine Arbeit ist kräftezehrend und schwer, sie ist nie ganz erledigt. Zwei erstzunehmende Lokalitäten gibt es im Ort. Schillings Gasthof, erstes Haus am Platz, Blick auf den Hafen und die dem Hafen vorgelagerte Insel Schilling. Etwas weiter oben im Ort, gegenüber dem Kriegerdenkmal, der Gasthof Alte Schule, in dem Baader verkehrt. Als Baader Schaprode Anfang August besucht, ist der Ort mit Wählerwerbung tapeziert. Landtagswahl. Wie bei, letzten Mal, hängen auch jetzt zuerst Plakate der Nationalsozialisten an Laternenmasten. Hinzugekommen ist Thomas Gens, Kandidat der Partei Die Ratten. Seit dem Erlass einer gerichtlichen Verfügung, darf nicht mehr behauptet werden, dass Gens in seiner Jugend dem Ministerium für Staatssicherheit zugearbeitet hat. Gens hatte erklärt, dass seine Verpflichtungserklärung nicht von ihm stamme. Während meiner Schulzeit in den neunziger Jahren war es mehrfach vorgekommen, dass Lehrer in den Sommerferien aus dem Schuldienst entlassen wurden. Nicht auszuschließen, dass auch ihre Unterschriften gefälscht waren. Ende der Neunziger hatte Gens sich der deutschnationalen Volksunion angeschlossen. Redakteure finden im Archiv des Norddeutschen Rundfunks den Mitschnitt einer Rede, die Gens in seinen Reifejahren zum Lokalpolitiker zeigt. Dieser Mitschnitt, Gens ist zwischenzeitlich der Christlichen Union beigetreten, wird später Verwendung finden in einem Ausschlussverfahren. Der Vorgang mündet in der Gründung einer eigenen Partei. Die Inselgemeinschaft demonstriert Geschlossenheit. Der ziemlich feiste Roland Kaiser gibt in Warnemünde den Wahlhelfer für die SPD. Für Hiddensee kommt der Spaßvogel Uwe Steimle aus dem Sachsenland angeflogen. Wie Gens, inszeniert auch Steimle sich als Opfer der Mächtigen. Gens möchte Stimmen bekommen. Steimle hat eine Stimme zu vergeben. Treffen sich zwei auf einer Insel, die zueinander passen. Ein Kurzfilm wird gedreht. Dialoge werden eingeübt. Der Profi Steimle versichert seinen Gesprächspartnern, servierfähige Gesichter, dass sie keine Angst vor einer Kamera haben müssen. Alles sei für eine gute Sache, immerhin gehe es um kulturelle Identität. Erprobtes Material, David gegen Goliath. Die Bundesrepublik Berlin gegen den einfachen Mann von der Straße. Baader sagt, einfach den Strom abschalten. Ein Vierteljahr lang keine Müllabfuhr. Dass die Leute ihre eigene Scheiße fressen können. Als Haupterwerb betreibt Gens einen Fischbrötchenverkauf auf einem rotten Fischkutter im Hafen von Kloster. Folker Silge stürzt um ein Haar vom Oberdeck des rotten Kahns in den Tod, als eine von Gens gezimmerte Balustrade plötzlich bricht. Nirgendwo Süden im Norden.
Im Juli kommt das Geld für März. Erstens. Zusammen mit den zweihundertfünfzig aus dem April hat Baader somit um die vierhundert ausgezahlt bekommen für sechs Monate Arbeit. Was für Arbeit? Gesine sagt, sie habe die Abrechnung nachprüfen lassen. Die Rechnungsabteilung mache eine gute Arbeit. Man könne sich auf die Arbeit der Rechnungsabteilung verlassen. Die Abrechnung der Tantieme gehe vollkommen in Ordnung. Vor Klärchens Ballhaus lässt sich eine junge Frau von zwei Italienern. Das Kleid schnell hochgeschoben, ihr nackter Arsch im Vorbeifahren. Einen Scheiß geht diese Art des Rechnens in Ordnung. Was ich nicht schon wieder erklären kann. Zweitens. Die Abschläge für Warteraum Zukunft am Schauspiel Graz sitzen. Von dem was übrig bleibt, kann ich die Miete zahlen, Krankenkasse, Altersvorsorge, die Raten für den Mercedes. Vor Klärchens Ballhaus ist diesen Abend. Einfach mitmachen. Ich hätte nicht geringe Lust. Natürlich hatte ich angerufen. Dabei war von Anfang an klar, dass sich nichts ändern wird. Alle können vom Ergebnis meiner Arbeit leben. Nur ich kann es nicht. Jemand an seinem Kragen über den Tisch ziehen, in die Nieren treten. Verständnis zeigen. Nett sein. Hoffen. Drittens. Das Schauspiel Graz habe in meinem Fall bedauerlicherweise nur die vertraglich vereinbarte Mindestgage zur Auszahlung gebracht. Soviel wisse man nun. Die vertraglich vereinbarte Mindestgage werde gezahlt, wenn eine Veranstaltung mies besucht werde oder gar nicht. Sie sei so etwas wie eine Rückversicherung für den Urheber. Bei allem Unglück. Das sei doch ein ziemlicher Trost, das überhaupt was reinkäme. Ein Scheiß kommt rein, sagt Baader. Euer Gold stinkt. Als ob eine Dramaturgin für schlecht bis gar nicht besuchte Vorstellungen je in Geiselhaft genommen wurde. Einem Regisseur für eine wie in einen lauwarmen Schwamm onanierte Inszenierung je Gage abgezogen worden ist. Das bereits bekannte Universalbühnenbild. Artefakte der Figuren in Glasvitrinen verwahrt und oder drehbare Wand. Das Leben hat zwei Seiten! bezahlt wird trotzdem. Viertens. Meine Arbeit hatte mich ruiniert. Ich hatte in den ersten sechs Monaten irgendetwas bekommen, dazu eine Einmaltantieme von zweieinhalb für ein Hörspiel. Geliebter Funk, Retter der Schreibenden in Not. Der Stream war eine ganze Woche auf Sendung. Keine einzige Reaktion aus dem Verlag. Das hatte mir einen ziemlichen Stich versetzt. Hinzu kommt. Paris Panik war gar nicht erst besprochen worden. Gesine meint, dieser Text sei für das Theater nicht darstellbar. Er könne so, wie er jetzt ist, nicht an die Leute vom Theater verschickt werden. Zu zerstörend sei sein Inhalt. Wohin jetzt damit? In München hat Baader neun Leute in einem Schnellrestaurant abgeknallt. Ein Zwölfjähriger liegt mit einem Kopfschuss im Krankenhaus. Dem Polizeibericht ist zu entnehmen, dass Baader weitere dreihundert Schuss Munition mit sich geführt hat. Wann mag ihm die Lust am Morden abhandengekommen sein. Diente das neunte Opfer nur der Versicherung. Oder war es bereits nach dem Toten Nummer acht zu Unsicherheiten gekommen. Fünftens. Etwas Neues wagen ist das Motto der ersten Spielzeit unter der Intendanz Laufenberg in Graz. Warteraum Zukunft ist bereits eine alte Hure. Gesine sagt, ich übersetze hier frei, scheißegal, besser einmal mehr onaniert als früher tot. Die Chefdramaturgin Karla Mäder komme auch aus Stralsund. Ich freue mich sie kennenzulernen. Wir telefonieren ein paar Mal, einige Mails werden geschrieben. Ein wirklicher Kontakt kommt doch nicht zustande. Obwohl es in den Verträgen steht, werde ich nicht zur Premiere nach Graz eingeladen. Hochnotpeinliche Ausreden Wochen später. In Graz geht es zwischenmenschlich bergab, soviel ist klar. Sechstens. Keineswegs klar hingegen ist, wie der Verlag nachvollziehen kann, ob eine Vorstellung tatsächlich wenig bis gar nicht besucht wird. Kann nicht jeder einfach behaupten, niemand sei da gewesen. Wie oft sind wir schon beschissen worden. Weil wir ängstlich waren, Rücksicht genommen haben auf Leute, die uns schon als wir noch Kinder waren wie Dreck behandelt haben. Im Gasthaus Mampe mit Ivonne. Sie trage sich mit dem Gedanken Komma ihre Möse zukünftig die Prozedur der Haarentfernung zu ersparen. Wir werden alle älter. Viel mehr. Wir hätten noch viel mehr miteinander schlafen sollen. Zudem hatte ich nicht geringe Lust. Siebentens. Obwohl es mir Freude macht, ich immer besser darin werde, habe ich mir vorgenommen nicht mehr für das Theater zu schreiben. Gesine hatte mir an einem Dienstag eine Mail geschickt. Sie würde ab Mittwoch für die nächsten vier Wochen nicht erreichbar sein. Sie wünsche mir trotz allem einen schönen Sommer. Wie jedes Jahr, fuhren auch dieses Jahr alle in ihre verdienten Ferien. Wie jeden Sommer, bin ich auch diesen Sommer wieder vollkommen blank. Im Herbst werden sie alle wiederkommen, braun gebrannt, gut erholt, den Kopf voller Ideen. Echt krass, was auf dem Mittelmeer so vor sich geht. Dazu müssen wir unbedingt was machen. Ich bin es leid. Dieses Mal fühlt es sich so an, als sei es das eine Mal gewesen. Das berühmte Fass. Letztens. Sich mehr selber lecken lassen. Baader sagt, der Verlag solle mich am Arsch lecken. So liebenswert die Leute dort seien. So sehr seien sie mittlerweile auf die Seite der Täter. Ich solle mir zwei Ziele setzen. Ein einigermaßen leicht zu erreichendes in naher Zukunft. Ich solle über den Sommer endlich meinen Roman schreiben. Es sei schon peinlich, jedes Jahr würde ich davon reden. Dann war doch wieder nichts gewesen. Ein Buch müsse her und zwar sehr bald. Dann solle ich mir noch ein zweites Ziel setzen. Wo schon dieses Jahr wieder nichts daraus werde, denke nur an das Gespräch mit den Arschlöchern vom Theater Parkaue. Wir könnten uns vorstellen was mit dir zu machen. Wir hatten uns vorgestellt, dass du dich auf dieses Stipendium bewirbst. Karola sitzt in der Jury, das würden wir also ohne weiteres hinbekommen. Du kannst dich ja ganz normal bewerben. Baader sagt, der Kay Wuschek sei hirnwütig geworden. Außerdem gehören Kinder gefälligst in Ruhe gelassen und nicht ins Theater. Ich solle mir vornehmen, im nächsten Jahr zwei Wochen Sommerurlaub zu machen. Das sei mein großes Ziel, auf das ich hinarbeiten müsse. Der Rest ergäbe sich von ganz alleine.                  
Baader hat bereits in der Klageschrift zu diesem Verfahren deutlich gemacht. Baader betrieb damals bereits eine Klage und zwar gegen seine damals noch nicht ehemalige Hochschule, an der Baader als Student eingeschrieben war. Obwohl der Baader als Student eingeschrieben war, hatte der Baader nicht mehr studiert. Weder als Teilnehmer am üblichen Lehrbetrieb, noch in einer autodidaktischen Weise. Statt eines Studiums, hat der Baader ein Klageverfahren betrieben. Das Stellen von Anträgen. Die Feiste möchte es als ein Studieren, zumindest als einen Teil des Studierens erkannt wissen. Ist nicht Teil des Studiums, sondern Teil der Studienorganisation. Die Studienorganisation ist für den Betrieb und die Aufrechterhaltung eines Studiums notwendig. Eine Beantragung auf Zulassung zu einer Prüfungsleistung reicht aber nicht aus, um das Betreiben eines Studiums nachzuweisen. Feiste möchte in ihrem Schriftsatz glaubhaft machen, welche tatsächlich vorhandenen Notwendigkeiten sich für das Betreiben eines Studiums ergeben. Sie möchte den Baader und das Gericht in einer sicherlich wohlwollenden, dann aber doch didaktischen Weise erklären, welche Schwierigkeiten sich bei der Aneignung von Wissen ergeben. So sei es keineswegs leicht oder eine Kleinigkeit, sich auf eine universitäre oder staatliche Abschlussprüfung vorzubereiteten. Ist einer dieser Sätze, der etwas zum Erfahrungsstand des im Auftrag der Feiste tätigen Amtsjuristen Feist aussagt. Eine allgemeingültige Ableitung lässt sich daraus allerdings nicht destillieren. Weder gibt es so etwas wie eine allgemeine Lebenserfahrung, noch existiert eine allen akademisch gebildeten Menschen bewusste Erfahrung. Das Vorhandensein von Analogien schließt eine individuelle Wahrnehmung von Leben nicht aus. So ist es ohne weiteres denkbar, dass Menschen neben der Ausübung ihrer Lohnerwerbsarbeit vollkommen anderen Dingen nachgehen. Entsprechend besteht der Baader weiterhin auf die Einhaltung der zwischen ihm und der Feiste unterschriebenen Vereinbarung, aus der unzweifelhaft hervorgeht, dass der Baader dem Arbeitsmarkt zum Zeitpunkt seiner hier verhandelten Beantragung von Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes zur vollen Verfügung stand. Zudem dürfte die Darstellung der Feiste zu den wirtschaftlichen Verhältnissen des Baaders als rein performativer Akt verstanden werden. Anders ist es aus Baadersicht nicht zu erklären, dass die Feiste Baader und Gericht im Jahr 2016 einen Auszug aus dem Jahr 2013 für den klagegegenständlichen Bemessungszeitraum Januar bis Juni 2010 präsentiert. Im Übrigen weist die durch die Feiste angeführte Fotokopie einen handschriftlichen Vermerk des Baaders auf. Demnach hat Baader der Feiste den entsprechenden Auszug  vorgelegt, und zwar als Nachweis für eine spätere Beantragung von Leistungen. Für den hier verhandelten Vorgang hat der Baader der Feiste seine wirtschaftlichen Verhältnisse vollumfänglich dargestellt. Dass sich diese nach Ende des Bezugszeitraums von Leistungen verändert haben. Möglicherweise immer noch verändern. Ist nicht Gegenstand der Klage. Die Feiste möchte zudem glaubhaft machen, der Kläger habe ihr Informationen zu Konten vorenthalten. Dazu ist festzustellen, dass diese Konten zum Zeitpunkt des klagegegenständlichen Bemessungszeitraumes. Schlichtweg noch nicht existiert haben.               
Zensor druckt nun doch. Ich hatte gar nicht mehr damit gerechnet. Die gekürzte Fassung weiter zusammengestrichen. Bis nichts mehr übrig bleibt. Ist ein gutes Motto für die nächste Spielzeit. Was mich wiedermal ziemlich geplättet hat. Der Bequemlichkeitsopportunismus im deutschen Kulturbetrieb. Verehrter Herr Baader, bitte bedenken Sie auch. Schließlich sehe ich all die von Ihnen genannten Leute beim nächsten Theatertreffen. Was soll ich diesen Leuten antworten. Hinzu kämen möglicherweise juristische Komplikationen. Und so weiter. Als ob sich Zensor auch nur ein einziges Mal um meinen Vater gesorgt hätte oder meine Mutter. Wenn der Letzte vom Vorletzten abgeschrieben hatte. Vater Baader wechsle Kleingeld für den Plüschtiergreifer auf dem Rummel. Mutter Baader hätte im Alter von vierzehn Jahren Federvieh in den Mund gekackt. Dass sich Presse wie Theater zuverlässig selber das Maul verbieten, ist Verweis auf Zensors Vorstellung von Kultur. Dercon wird nach Berlin geholt, die Öffnung der Volksbühne dem Markt gegenüber voranzutreiben. Lilienthal würde für seine Neuköllner Häuser heute einen ganz anderen Zins erzielen. Das war bitter für ihn, dem Senat kein Angebot machen zu können. Als alle anderen ihre Preise nannten. Waren Verträge längst unterzeichnet. Auf einer Europalette über das Mittelmeer. Dann war doch wieder nichts frei. Dann hieß es warten und abwarten. Lilienthal sagte, für ihn seien die Fremden zu spät gekommen. Ich nahm es ihm sofort ab
Ob Sie drucken oder nicht. Jetzt freue ich mich doch auf die Veröffentlichung. Elfriede Jelinek, Thomas Bernhard und Peter Handke seien junge Autoren. Mit dem Schreiben geht es ab vierzig los. Das sind bei mir noch vier Jahre. Vierzig ist das richtige Alter für mich. Thomas Brasch möchte nicht spontan eine Platte abspielen, macht es dann aber doch. Mir würde es schon genügen, entspräche Ihre Fassung meines Textes meiner eigenen. Verzichten Sie auf das üblicherweise verwendete Autorenfoto. Verzichten Sie auf das von einem Kunstfotografen konservierte Beispielbild der jüngsten Produktion. Um endlich Ihre Frage zu beantworten. Spätestens seit Frankfurt spiele ich Castorf in Anklam. So bleibt Zeit zum Lesen und Musik hören. Wie es Ihnen gefällt. Ende. 
Wir haben als Zielvereinbarung die Stabilisierung meiner selbstständigen Erwerbstätigkeit festgehalten. Zum Erreichen dieser Vorgabe habe ich in den zurückliegenden zwei Kalenderjahren meine betrieblichen und privaten Ausgaben in einem erheblichen Maß meinen derzeitigen Lebensumständen angepasst. Obwohl dieser Prozess nie abgeschlossen werden kann, sind erste Auswirkungen bereits sichtbar. Die Auswertungen meiner betrieblichen Ergebnisse weisen eine Richtung auf, in der unsere Vereinbarung erkennbar ist. Eine langfristige Wirkung, und somit Beendigung meines Leistungsanspruches Ihnen gegenüber, kann bis auf weiteres nur durch ein kontinuierliches Schreiben neuer literarischer Texte erfolgen und also durch die tatsächlich vorhandene Möglichkeit zur Wahrnehmung meiner Aufgaben. Für jeden Stoff gibt es die richtige Zeit. Das Material zeigt an, ob es zur Aufnahme bereit liegt. Das Schreiben selbst ist von Allem das Allergeringste. Die tatsächliche Übung ist das Warten. So entstehen die brauchbaren Texte nicht am Schreibtisch und schon gar nicht im Büro, sondern im Schankhaus oder im Bett. Mit Papier und Stift kann man schreiben, aber keine Texte. Ich erkenne Ihren Versuch, die Produktion literarischer Werke in Ihre Vorstellungswelt aus betriebswirtschaftlichen Kenngrößen, Vorgaben und Verordnungen zu pressen, als von vornherein gescheitert. Natürlich ist es notwendig, dass ich aus betrieblichen Gründen einen Kraftwagen vorhalte. Viel weniger, um damit aufs Land zu fahren, sondern um das kollektive Erlebnis des individualen Verkehrs erfahrbar zu machen. Ein lückenlos geführtes Fahrtenbuch liefert gerichtsfest Auskunft darüber, dass alle Fahrten Betriebsfahrten sind. Reisekosten sind immer auch Materialkosten. Ich möchte Ihnen vorschlagen, zukünftig Bett und Badewanne als Teil der Büroausstattung zu begreifen. Die Schankquittungen, die Sie bislang nicht anerkennen wollen, müssen ab sofort anerkannt werden. Ich schicke Ihnen weiter Änderungsmitteilungen und Abschriften neuer Verträge, die ich mit Finanzdienstleistern schließe und Immobilienverwaltungen. Kleines Beispiel. Sie verlangen den Nachweis einer rein geschäftlichen Nutzung meines Geschäftskontos. Ich erkläre Ihnen hiermit, dass mein Geschäftskonto kraft meines Willens geschäftlich genutzt werden kann. Von meinen Konten könnte jedes Konto ein geschäftlich genutztes sein, da mein gesamtes Handeln auf das Schreiben ausgerichtet ist. Eine Erklärung zu den Reisekosten im Verhältnis zu den sich daraus ergebenden Aufträgen und oder Einnahmen kann nur in der literarischen Form eines Romans erfolgen. Viel aussichtsreicher als die vertragsgemäße Teilnahme an einer so genannten Uraufführung im Staatstheaterbetrieb, ist der Tausch der Brause im Badezimmer des Hotel Reichshof gegen einen lustigen Delfin. Ziel meines Schreibens ist die Auflösung der Täuschung. Ein Konsument meines Stoffes muss enttäuscht werden. Ein wirksamer Stoff zieht den Wunsch nach sich, weiteren Stoff geliefert zu bekommen. So verstehe ich auch Ihr Begehren, bereits eingereichte Unterlagen als Abschrift vom Duplikat ein weiteres Mal zu erhalten. Natürlich könnte ich Ihnen auch, wie von Ihnen gefordert, sämtliche Belege, Rechnungen, Quittungen, Honorarverträge für das letzte Jahr fotokopieren und für das davor. Nur würde dann. Insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass Sie mir Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes schon wieder über Monate auf unverantwortliche Weise vorenthalten haben. Unsere oben genannte Vereinbarung, die gerade nicht auf das Verrichten von Deppenarbeit hinausläuft, nicht eingehalten werden. Ohnehin habe ich längst meinen Steuerberater mit der Entsorgung der Zettelberge betraut. Vielleicht warten wir gemeinsam die Ausstellung der Überschussrechnung ab. Anderenfalls stelle ich mir jemanden ein, Ihre ausdrückliche Zustimmung vorausgesetzt.                  

Im Rahmen des Verfahrens hat Zensor die Fiste zur vorläufigen Erbringung von weiteren Leistungen an den Baader verurteilt. Die Fiste unternimmt den Versuch, die Auszahlung dieser Leistungen zu verhindern. Fiste begründet ihr Vorgehen mit zu erwartenden Einnahmen aus der Untervermietung eines Teiles der Mietsache des Baaders. Dazu ist Folgendes festzustellen. Doppelpunkt. Erstens. Zensor hat angeordnet, dem Baader Bedarfe also Kosten für Unterkunft und Heizung ihrer tatsächlichen Höhe nach zu zahlen. Die Mieteinnahmen aus der Untervermietung seiner Mietsache. Baader hat alles ordnungsgemäß ausgewiesen und zur Anzeige gebracht. Hat Zensor bei der Festsetzung der zu erbringenden Leistungen bereits berücksichtigt. Zweitens. Muss der Baader endlich wieder Jennifer Rush hören. Drittens. Anlass dieses Schreibens ist. Die Forderung des Zensors muss vollständig umgesetzt werden
Klagegegenstand. Die Bescheide vom Erstens und Zweitens. Vorläufige Bewilligung von Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes. Der Baader beantragt. Die Aufhebung Schrägstrich Änderung der oben genannten Bescheide und. Die Prüfung der Rechtmäßigkeit in der Vorgehensweise der Feisten bei der Bearbeitung des oben genannten. Weiterbewilligungsverfahrens und. Die Feiste zur Nachzahlung von Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes für den Bewilligungszeitraum in Höhe von insgesamt in Worten dreitausendachthundertsechzehn an den Baader zu verurteilen und. Die Übernahme der Kosten des gesamten Klageverfahrens durch die Feiste. Der Baader begründet seine Klage wie folgt. Der Baader arbeitet freischaffend als Autor. Er hat bei der Feiste einen Weiterbewilligungsantrag für Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes gestellt. Teil dieses Antrages war eine Schätzung des im Bewilligungszeitraum zu erwartenden Einkommens aus selbstständiger Tätigkeit. Gemäß dieser Schätzung, konnte der Baader für den Zeitraum zwischen bis einschließlich Einnahmen von insgesamt acht k erwarten. Dem gegenüber standen zu erwartende Betriebsausgaben von insgesamt sechseinhalb k. Daraus ergab sich ein monatliches Mittel an zu erwartenden Einnahmen von zweihundertfünfzig. Die Feiste war dieser Einschätzung teilumfänglich nicht gefolgt. Nach ihrer Berechnung blieben die Einnahmen unverändert. Jedoch setzte die Feiste statt der vom Baader prognostizierten monatlichen Betriebsausgaben von tausenddreiundachtzig lediglich einen monatlichen Betrag von fünfundvierzig an

Nach Ablauf des Bewilligungszeitraumes hat der Baader der Feiste eine abschließende Aufstellung seiner betrieblichen Rechnung vorgelegt. Gemäß dieser Abrechnung hat der Baader im Bewilligungszeitraum Einnahmen in Höhe von achthundertfünfundzwanzig im monatlichen Mittel erzielt. Dem gegenüber standen Betriebsausgaben von tausendzweihundertsechsundvierzig, ebenfalls im monatlichen Mittel. Daraus ergibt sich ein monatlicher Verlust von vierhunderteinundzwanzig. Weder bei der Summe der Betriebseinnahmen, noch bei den Betriebsausgaben folgt die Feiste in ihrem Änderungsbescheid den Angaben des Baaders. Gemäß der Feiste, hat der Baader im Bewilligungszeitraum monatliche Betriebseinnahmen in Höhe tausenddreihundertvierundzwanzig verzeichnen können. Dem gegenüber stünden Betriebsausgaben in Höhe von siebzig. Es hätte sich für den Baader nach Abzug eines Freibetrages ein monatlich zu berücksichtigendes Einkommen in Höhe von neunhundertvierundfünfzig ergeben. Baader widerspricht. Baader stellt der Feiste eine Änderungsanzeige zur abschließenden Berechnung seiner Betriebseinnahmen. Gemäß dieser berichtigten Fassung Komma hat der Baader im Bewilligungszeitraum Betriebseinnahmen in Höhe von achthunderteinundneunzig erzielt. Dem gegenüber standen Betriebsausgaben in Höhe von tausendsechshunderteinundsiebzig. Es ergibt sich ein monatlicher Verlust aus selbstständiger Autorentätigkeit von siebenhundertachtzig. Die Feiste kommt in ihrer abschließenden Bewertung vom siebenundzwanzigsten Januar diesen Jahres auf Betriebseinnahmen von tausenddreihundert und Betriebsausgaben von achtundsechzig. Daraus möchte die Feiste einen monatlichen Gewinn des Baaders von tausendzweihundertsechsundfünfzig erkennen. Ihr optimales Ergebnis möchte die Feiste durch folgende Maßnahmen erreicht wissen. Erstens. Aberkennung der Betriebskosten für das Arbeitszimmer. Zweitens. Aberkennung der Aufwendungen für einen betrieblich genutzten Kraftwagen. Drittens. Viertens. Fünftens. Und. Sechstens. Berichtigung des betrieblichen Ergebnisses. Der Baader erklärt dazu wie folgt

Zu Drittens. Fortbildungskosten. Baader hat ein Studium an der Universität Leipzig beendet. Raten für einen Studienkredit zahlt der Baader bis heute ab. Die Feiste möchte diese betrieblichen Belastungen nicht anerkennen. In ihrem Änderungsbescheid erklärt sie zunächst pauschal, dass Fortbildungskosten mit dem Fallberater abzuklären seien. Der Baader weist die Feiste in seinem Widerspruchsschreiben darauf hin, dass eine solche Klärung in mehreren Einzelgesprächen stattgefunden hat. Dieses stellt die Feiste in ihrem Widerspruchsbescheid auch nicht weiter in Abrede. Stattdessen behauptet sie nun, der Baader hätte es unterlassen, der Feiste entsprechende Nachweise vorzulegen. Der Baader erklärt dazu, dass der Feiste die entsprechenden Nachweise vollumfänglich vorliegen. Zudem hat der Baader der Feiste lückenlos alle Kontoauszüge seiner Konten für den Bewilligungszeitraum als Fotokopie vorgelegt

Viertens. Investitionskosten. Abgesehen von den Ausgaben für den Betrieb des Büros. Stifte, Papier und so weiter. Führt der Baader als weiteren Kostenblock die so genannten Investitionskosten. In diesem Block erfasst der Baader seine betrieblichen Aufwendungen für den Erwerb von Büchern, Printmedien und Tonträgern. Der Ersatz defekter Geräte wird ebenfalls in diesem Block geführt. Die Feiste möchte diese Aufwendungen pauschal nicht anerkennen. Sie behauptet in ihrem Bescheid und, wider besserem Wissens, auch in ihrem Widerspruchsbescheid, dass der Baader ihr keine entsprechenden Nachweise vorgelegt hätte. Diese Behauptung ist, wie bereits festgestellt, nicht zutreffend. Fünftens. Reise und Übernachtungskosten. Der Baader ist angehalten, in unregelmäßigen Abständen Dienstreisen durchzuführen. Diese Reisen dienen zumeist Recherchezwecken oder Treffen mit bestimmten Personen. Zudem nimmt der Baader an Proben und Uraufführungen zu Inszenierungen seiner Theatertexte teil. Die Feiste möchte diese Reise und Übernachtungskosten nicht als betriebliche Aufwendungen anerkennen. Nach ihrer Sicht entsprächen derartige Unternehmungen nicht den Lebensumständen Arbeitssuchender. Sie verkennt dabei, dass Erstens auch Arbeitssuchende reisen dürfen und in einem Hotel schlafen und Zweitens der Baader kein Arbeitssuchender ist, sondern ein selbstständig Arbeitender. Die entsprechenden Abrechnungen sind demnach auch keine Belege für Lustreisen, sondern Nachweise für betrieblich bedingte Aufwendungen. In ihrem Widerspruchsbescheid reklamiert die Feiste nunmehr abweichend, dass eine Notwendigkeit beziehungsweise Unvermeidbarkeit von Reisen für sie nicht zu erkennen sei. Dazu muss festgestellt werden, dass der Baader bei der Ausübung seiner selbstständigen Arbeit gleichermaßen Verantwortlicher ist und Ausführender. Das literarische Schaffen des Baaders erfolgt vollkommen frei. Es gibt keine Schreibaufträge oder sonstige Verpflichtungen. Alleine der Baader muss entscheiden, wie er seine Arbeit bewältigt. Nur er ist für die Organisation seiner Arbeit verantwortlich. So liegt es ausschließlich in seinem Ermessen zu entscheiden, ob der Besuch in einem Archiv, das Erkunden einer Kulturlandschaft oder das persönliche Gespräch mit einem Ortskundigen für das Schreiben eines bestimmten Textes notwendig ist. Ein gelegentliches Reisen ist für den Baader für die Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit unerlässlich

Der Baader stellt fest, dass das hier dargestellte Vorgehen der Feiste in Teilen rechtswidrig war, beziehungsweise rechtswidrig ist. Er sieht in dem Vorgehen der Feiste eine systematische Rechtsbeugung. Zwischen Baader und Feist wurde eine gemeinsame Zielvereinbarung geschlossen. Als gemeinsames Ziel wurde die Stabilisierung der selbstständigen Tätigkeit zwischen Baader und Feiste festgeschrieben. Diese Vereinbarung wurde auf Wunsch der Feiste unter Beibehaltung ihres Inhaltes erneuert. Der Baader sieht beide Vereinbarungen lediglich in Teilen, jedoch vollkommen unzureichend durch die Feiste erfüllt. Die Feiste hat sowohl die dem Baader abverlangte Schätzung zum betrieblichen Ergebnis unsachgemäß und in Teilen willkürlich zusammengestrichen, als auch die beiden abschließenden Auswertungen. Mit den von ihr angesetzten monatlichen Betriebsausgaben von fünfundvierzig kann kein noch so kleiner Betrieb geführt werden. Zudem ist es geradezu stupend, dass sich die Feiste bei der Beschlussfassung zu ihren Bescheiden auf das Steuerrecht beruft, die Auswertung der Steuerbehörde zum gleichen Sachverhalt jedoch zu vollkommen anderen Ergebnissen führt. Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes sind ihrem Naturell nach stark zweckgebunden. Existenzsichernde Maßnahmen können nicht im Nachhinein wirksam werden. Vollkommen zutreffend stellt die Feiste in ihrem Widerspruchsbescheid fest, dass Einkommen aus selbstständiger Arbeit erst nach Ablauf eines Bewilligungszeitraumes konkret beziffert werden kann. Sie widerspricht sich jedoch im gleichen Schriftsatz selber, indem sie erklärt, dass betriebliche Kosten für die Ausstellung eines vorläufigen Bescheides nicht berücksichtigt werden können, wenn keine entsprechenden Nachweise vorlägen. Auf diese Weise entzieht sich die Feiste ihrer unmittelbaren Unterhaltspflicht dem Baader gegenüber, vertagt die Auszahlungen dem Baader zustehender Leistungen vorsätzlich auf den St. Nimmerleinstag

Bereits im Januar sei es zu einem Beratungsgespräch gekommen. Baader schreibt dazu. Ich hatte gleich den Eindruck, dass es zwischen der Feiste und mir gewaltig knistert. Feiste ist zwar nicht mein Typ. Jedoch hat sie etwas ungemein Dreckiges an sich. Eine dreckige verdorbene Art, die mich sehr anspricht. Wir redeten die ganze Zeit über meine berufliche Situation. Die Zusammenarbeit mit den Theatern hatte mich vollkommen ruiniert. Ich dachte jedoch, während wir die ganze Zeit redeten. Die ganze Zeit dachte ich ans Ficken. Stellte mir vor, wie die tief zwischen den Schenkeln der Feiste verborgen liegende Möse. Das konnte ich mir wirklich sehr gut vorstellen. Wie die Feiste ihre Beine öffnet. Um die Perspektiven meiner freischaffenden Arbeit als Autor mit mir zu besprechen. Als Ergebnis aus diesem Gespräch hatte die Feiste mit dem Baader eine so genannte Eingliederungsvereinbarung unterzeichnet. Ziel dieser Vereinbarung sei die Stabilisierung der freiberuflichen Tätigkeit des Baaders. Baaders Unterschrift auf dem amtlichen Formblatt sieht aus wie ein Kartoffeldruck
 
Im Mai entsprach Feiste dem Antrag des Baaders zur Bewilligung von Leistungen. Baader widersprach diesem Bescheid mit einem Schreiben aus dem gleichen Monat teilumfänglich widersprochen. Die Feiste hat auf dieses Schreiben bislang in keiner Weise reagiert. Als Ergebnis der abschließenden Auswertung für den Bemessungszeitraum, hat die Feiste dem Baader im Folgejahr einen weiteren Bescheid ausgestellt. Diesem Bescheid hat der Baader im September vollumfänglich widersprochen. Die Feiste weist Baaders Widerspruch im Dezember als unbegründet zurück. Baader hatte diese Einschätzung in keiner Weise geteilt. Der Feiste war es egal, was der Baader dachte. Es war ihr klar, dass sie den Baader aussitzen wird. Wie sie alle anderen vor Baader ausgesessen hat. Entsprechend hatte sie sich verhalten
In ihrem Widerspruchsbescheid aus dem Dezember geht die Feiste weder auf die Erklärung des Baaders ein. Noch folgt sie ihrer eigenen Argumentation aus dem Septemberbrief. Sie schreibt etwas vollkommen Neues. Der Baader könne seine Aufwendungen für das Betriebsfahrzeug nicht geltend machen. Schließlich nutze der Baader den Betriebswagen auch für private Zwecke. Das Einkommenssteuergesetz sehe eine Mischnutzung eines Betriebsgegenstandes nicht vor. Folglich könne der unter anderem für Lustfahrten genutzte Kraftwagen unmöglich durch den Baader im Betriebsvermögen des Baaders geführt werden. Der Baader müsse hirnwütig geworden sein. Es sei vollkommen unerheblich, ob der Baader ein kilometergenaues Fahrtenbuch oder nicht führe. Der Baader könne viele Bücher führen. Erwiesen sei durch die Führung eines Buches letzten Endes nichts. Wer garantiere der Feiste, dass es sich bei dem Baader als Nachweis geführtem Buch tatsächlich um etwas anderes handle. Als um eine Fiktion
Es war vollkommen krank. Erst schrieb Feiste, sie könne das Fahrzeug nicht anerkennen. Für die Anerkennung eines Fahrzeuges sei es notwendig. Dass entsprechende Nachweise durch den Antragsteller erbracht werden. Also fotokopierte ich das Fahrtenbuch und die Belege ein weiteres Mal. Feiste hatte durch das viele Sitzen einen Großteil ihrer körperlichen Kraft eingebüßt. Sie ist weich geworden. Das viele fette Essen. Am Dienstag bekam ich einen Brief. Ob ich sie nicht in den Arsch ficken wolle. Mittwoch schrieb Feiste, oder war es Donnerstag, das Fahrzeug könne nicht anerkannt werden. Ein auch privat genutztes Fahrzeug könne nicht betrieblich geltend gemacht werden. Sie hätte es gerne, wenn man ihr die Arschspalte lecke und das Arschloch. Das frage ich mich ehrlich gesagt schon ziemlich lange. Ob es sinnvoll ist, weiter Lebenszeit für das Nachweisen irgendwelcher Ausgaben aufzuwenden. Oder besser weniger, vielleicht gar nicht mehr arbeiten zu gehen. Ihre Arbeit hatte die Feiste in einen Zustand der Unterfickung versetzt, der nicht mehr gesund sein konnte. Der Gedanke an einen Fick war das einzige, was der Feiste einigermaßen half, über den Tag zu kommen. Eine tatsächliche Ausführung ihrer Fantasien. Hatte die Feiste schon gar nicht mehr in Betracht gezogen. Bei unserem zweiten Treffen hatte ich nicht geringe Lust gehabt, sie gleich in Amtsstube durchzuvögeln. Auf einem der Kunststoff beschichteten Tische. Unter einem der Tischbeine, fein säuberlich zusammengefaltet, mein Erstantrag. Anfang Mai, als mir das Warten doch zu viel wurde, hatte ich ein formloses Schreiben an die Dienstaufsicht verfasst. Die Dienstaufsicht wurde durch die Dienstausführenden bewerkstelligt. So dass die Betroffenen ziemlich schnell feststellen konnten, dass in meiner Sache kein dienstliches Vergehen nachweisbar sei. Es gab einige außergewöhnlich große Mösen in der Autonomiebehörde. Von all den großen Mösen, die es in der Autonomiebehörde gab, hatte Feiste ganz sicher eine der größten Mösen, eine riesenhafte Fut. Ich stand nicht nur auf ältere Frauen und Autos mit stumpfen Lack und Roststellen an Kotflügel und Türen. Auch große Mösen mochte ich sehr. Nach sieben Monaten kam endlich das erste Geld. Ich war zu diesem Zeitpunkt bereits vollkommen abgebrannt. Meine Mutter hatte einen Kredit für mich aufgenommen. Dass ich die Wohnung weiter bezahlen konnte, die Tiefgarage und die Raten für den BMW. Aus dem Bescheid war nicht hervorgegangen, dass es irgendein Problem mit der Anrechnung des Betriebswagens geben wird. Ich konnte davon ausgehen, dass die Aufwendungen für den Betriebswagen anstandslos angerechnet werden. Nach der Abgabe der abschließenden Auswertung. Es passierte sechzehn Monate nichts. Dann hieß es, das Auto könne nicht anerkannt werden. Es lägen keine Gründe für eine Anerkennung des Autos vor. Ich schrieb der Feiste einen weiteren Brief. Donald Trump bewohnte in einem seiner Türme eine ganze Etage. Von dort oben hatte man einen herrlichen Blick über New York. Nur stimmte die Geometrie der Räume nicht. Von ihrer Grundfläche her durchaus großzügig, waren die Privaträume des Investors zu niedrig geraten. Trump wurde von seiner eigenen Wohnung erdrückt. Da half auch kein Blattgold                      
I. Der Beklagte behauptet, der Kläger hätte den Beklagten mit dem Schreiben eines Theatertextes beauftragt. Diese Behauptung ist unzutreffend

II. Durch das Schreiben des Beklagten. Vergleiche dazu das Bildschirmfoto. Dargestellt wird unter der Rubrik Neuigkeiten als kurzer Artikel eine Meldung. Der Beklagte erweckt in dieser Meldung den Eindruck. Der Kläger hätte den Beklagten beauftragt. Zitat. Dem Michael Schweighöfer ein kleines Stasi Stückchen auf seinen fetten Schauspielerwanst zu schreiben. Zitat Ende

III. Einen Scheiß habe ich. Im Traum nicht. Verstehen Sie. Niemals würde ich. Es gibt nicht den geringsten Anlass. Lassen Sie es mich so erklären. Wir vergeben jede Spielzeit Schreibaufträge. Aber sehr wenige. Nur an ausgewählte Leute. Dramatiker. Künstlerpersönlichkeiten. Ein Auftrag ist auch immer eine Auszeichnung. Warum sollten wir so jemanden auszeichnen. Das frage ich Sie jetzt. Sehen Sie. So eine Auszeichnung hat etwas mit gegenseitigem Vertrauen zu tun. Der Wertschätzung der Arbeit des Anderen

IV. Dass der Schauspieler Schweighöfer für das Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet hat. Ehrlich gesagt. Mir ist Derartiges vollkommen unbekannt. Ich höre Derartiges zum allerersten Mal. Michael Schweighöfer ist seit vielen Jahren. Seit wie vielen Jahren. Das weiß ich jetzt auch nicht so genau. Das ist doch vollkommen sekundär. Nebensächlich. Ich weiß gar nicht, worauf Sie hinaus wollen. Michael Schweighöfer ist Mitglied des Ensembles des Deutschen Theater zu Berlin. Unser Publikum schätzt seine Arbeit sehr. Überzeugen Sie sich selbst. Herr Schweighöfer ist beim Publikum bei seinen Kollegen überaus beliebt

V. Hier hat sich jemand verlaufen. Hier behauptet jemand etwas. Hier möchte jemand einem anderen Schaden zufügen. Hier möchte jemand von seinem eigenen Versagen ablenken. Es ist ja vollkommen klar. Jeder kann es sehen. Hier ist jemand gescheitert. Beruflich. Zwischenmenschlich. Hier möchte einer dem Michael ans Bein pissen. Danke übrigens für deinen Vorschlag. Mal wieder ins Dinosaurierland zu fahren

VI. Wir müssen unseren Schauspieler und geschätzten Kollegen Michael Schweighöfer in Schutz nehmen. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe sind motiviert. An den Haaren herbeigezogen. Herr Schweighöfer hat in einem für ihn außerordentlich schwierigen Lebensabschnitt. Dazu noch als junger Mensch. Nochmal drüber nachdenken

VII. Wir hatten gegen den Beklagten eine Unterlassungsforderung geltend gemacht. Wir hatten den Beklagten aufgefordert, diese Vereinbarung hier zu unterschreiben. Wenn Sie bitte mal schauen wollen. Die Unterschrift des Beklagten mutet wie die Kinderzeichnung eines erigierten männlichen Gliedes an. Steifer Schwanz. Wir sind uns ehrlich gesagt nicht sicher. Ob eine solche Zeichnung als Unterschrift überhaupt einen Wert darstellen kann

VIII. Stasi. Scheißegal. Ich sage es Ihnen gleich direkt. Das können Sie von mir aus alles mitschreiben. Tittenschwänze Fotze lecken aus dem Arsch pissen. Und wenn der Micha bei der Waffen SS gewesen wäre. Er ist ein genialer Schauspieler. Fragen Sie die Leute draußen. Fragen Sie die Leute im Gehäuse. Sie werden die immer gleiche Antwort erhalten

IX. Heißt es Das Gleiche oder heißt es Das Selbe. Wissen Sie. Ich kann mir das nie merken. Ich hatte mir das einmal falsch gemerkt. Jetzt bin ich jedes Mal unsicher. Aufgeschmissen. Ich kann Ihnen zu der ganzen Angelegenheit nichts sagen. Das sind interne Dinge, die hier am Haus besprochen werden. Ich habe mit diesen Dingen nichts zu tun

X. Wir geben heute Folgendes bekannt. Wir möchten heute Folgendes bekannt geben. Sehr geehrte Damen und sehr geehrte Herren. Weswegen wir heute hier zusammengekommen. Ich kann Ihnen Folgendes mitteilen. Wir möchten Sie über Folgendes informieren. In Kenntnis setzen. Wir haben es uns mit unserer Entscheidung nicht leicht gemacht. Die Entscheidung wurde in Abstimmung mit dem Betroffenen. Gemeinsam getroffen. Wir möchten Sie auf Folgendes hinweisen. Wir weisen Sie ausdrücklich darauf hin. Wir möchten Ihnen versichern. Wir möchten Sie um Verständnis bitten. Wir möchten Sie einladen. Wir freuen uns sehr. Wir danken Ihnen. Ausdrücklich
Vor dem Hundeladen Ständige Vertretung. Man sieht den Baader. Wie der Baader auf einen Wagen einschlägt. Die Frau in dem Wagen sich und den Wagen vor dem auf den Wagen einschlagenden Baader in Sicherheit bringt. Warum der Baader auf den Wagen einschlägt. Ist vollkommen unklar. Jedenfalls. Ist kein Anlass erkennbar, der das Verhalten des Baader auch nur im Geringsten erklärt. Ganz wie Sie es wünschen. Sicherlich könnte man die Haltung der Frau in dem Wagen in eine bestimmte Richtung deuten. Worüber reden wir denn hier. Das ist doch alles Spekulation. Der Frau jetzt zu unterstellen, sie hätte den Baader provoziert
Moshammer, Die Zukunft wird kein Honiglecken. Loos, Recht verstehen. Houellebecq, Unterwerfung. Delisle, Pjöngjang. Dammbeck, Das Netz. Raddatz, Tagebücher 1982-2001. Klein, Moderne Piraterie. Brock, Der Profi-Bürger. Landes, Wohlstand und Armut der Nationen. Apelt, Ende einer Reise. Achternbusch, Der letzte Schliff. Pilling, Friedrich Schleyer. Meese, Ausgewählte Schriften zur Diktatur der Kunst. Schade, Stralsund im Bombenhagel. Beck, Kommunikationswissenschaft. Graeber, Schulden. Gustavs, Die Insel Vogelöd. Pitigrilli, Kokain. Diederichsen, Politische Korrekturen. Diederichsen, Freiheit macht arm. Schütt, Frank Castorf. Krump, Tagebuch einer Hospitantin. Raddatz, Tagebücher 2002-2012. Friedrichs, Wir erben. Ballard, Vom Leben und Tod Gottes. König, Technikgeschichte. Gustavs, Reichsgottesdienst. Von Uslar, Deutschboden. König, Kleine Konsumgeschichte. Kellerhoff, Mein Kampf. Radkau, Holz. Knausgård, Sterben.

Geselchtes vom Rind. Ich hatte mein Hirn der Hirnforschung zur Verfügung stellen wollen. Ich hatte ein Päckchen an die Zentrale Hirnannahmestelle verschickt. Darin mein Hirn in Scheiben. Heute ein Brief. Sehr geehrter Herr Baader. Bei den von Ihnen unverlangt eingesendeten Auszügen. Handle es sich gerade nicht um Hirn.
Hoffentlich liest Du diese Zeilen nicht vor Dienstagmorgen und also in den Ferien. Samstag saß ich mit Bernhard mit Gasthaus Mampe. Statt Gedichte, schrieben wir Schankquittungen. Nach drei Wochen intensiver Schreibarbeit, Dienstaufsichtsbeschwerden, Widersprüche gegen Bescheide, sonstige Notizen, hatte ich einen weiteren Brief der Autonomiebehörde erhalten. In diesem Brief war einer der von mir mit Zweifel belegten Bescheide aufgehoben worden. Nicht aufgehoben wurde der Gegenstand des Bescheides, weswegen naturgemäß der Aufhebungsbescheid in der Sache nun unwirksam ist. Zudem ist, wie bei allen Schreiben zuvor, keine Form eingehalten worden. Nicht mit dem Vorsatz etwas ganz und gar Neues zu schaffen. Sondern aus einer Faulheit heraus. Aus einem Unvermögen, sich tatsächlich mit dem Gegenstand zu befassen. Als Fußnote sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass ich dadurch unter die Räder komme. Ich komme gerne, nur möchte ich, dass dieses in sich grandiose Spiel, die beste Inszenierung seit langem, sichtbar wird. Weshalb ich Dir diese Einladung schreibe
Ein derartiger Scheißdreck. Am dreizehnten Oktober erhalte ich durch Ihre Behörde ein auf den achten Oktober datiertes Schreiben, das einen sogenannten Änderungsbescheid über Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes enthält. Das Schreiben ist anonymisiert erstellt worden, als Urheber ist lediglich unter dem Vermerk Mein Zeichen das Zahlenkürzel achtundachtzig notiert, was bekanntermaßen für Heil Hitler steht. So richtet sich meine Dienstaufsichtsbeschwerde behelfsweise gegen die Leitung der entsprechenden Abteilung. Meine Beschwerde begründe ich wie folgt. In dem oben genannten Änderungsantrag werde ich durch Ihre Behörde darüber in Kenntnis gesetzt, dass in meiner Sache die Bedarfe für Unterkunft und Heizung neu berechnet worden sind. Als Ergebnis dieser Berechnung soll mir bereits ab dem ersten November ein Betrag gezahlt werden, der lediglich die Hälfte der tatsächlich zu erwartenden Kosten berücksichtigt. Die Frage, inwieweit das gerechtfertigt oder nicht gerechtfertigt ist, wird ein Widerspruchsverfahren klären, das ich derzeit mithilfe einer Fachanwältin vorbereite. Gegenstand dieses Schreibens ist der Eindruck einer vollkommen willkürlichen Vorgehensweise, die in Ihrer amtlichen Mitteilung manifestiert ist. Oder sagt man manifest wird. Nochmal nachschlagen. Die Kosten für Unterkunft und Heizung sind bislang in mindestens drei Bescheiden durch Ihre Behörde geprüft und anerkannt worden und zwar in voller Höhe. Zuletzt in einer Vorläufigen Bewilligung zu Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes vom sechzehnten Juni. Es gab in diesem Kalenderjahr bis zum oben erwähnten Schreiben vom achten Oktober keinerlei Einspruch Ihrerseits zur Höhe der Kosten und auch keine der üblichen Aufforderungen zur Mitwirkung. Anfang Januar hatte einmal eine vollkommen kaputte Alte angerufen, kurz nach acht in der Früh. Ich war vollkommen verschlafen gewesen. Es wurde sich nicht vorgestellt. Gleich wurde losgebrüllt. Ich hätte in meiner abschließenden Einschätzung zu meinem Einkommen. Es war unmöglich, die Dame zu beruhigen. Woher sollte ich wissen, gerade noch in einem versauten Traum, die Hand am einigermaßen steifen Glied, welche Tankquittung aus dem ersten Quartal Zweitausendvierzehn. Ich hatte vollkommen ehrlich zur Auskunft gegeben, dass ich keine Auskunft geben könne. Dass man mir doch bitte die strittigen Punkte in einem Schriftsatz zusammenfassen möge. Daraufhin Geschrei über fünf Oktaven. Dass man einen Scheiß müsse. Dass man mich vorladen werde. Zack. Aufgelegt ohne Grußformel. Tag im Arsch. Danach tagelang, über Wochen ein enorm ungutes Gefühl beim Öffnen des Briefkastens. Nur befand sich nie etwas darin, bis auf das Vogelnest mit den süßen Schwalben, die auch immer fetter wurden. Jedenfalls. Die für das Schreiben verantwortliche Abteilung fordert nun, ohne einen für mich zu erkennenden Anlass, zumindest implizit die Auflösung meiner Mietsache in einer Frist von etwas mehr als zwei Wochen. Durch dieses Vorgehen wird mir die Möglichkeit entzogen, mein bestehendes Mietverhältnis innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen und natürlich auch so im Mietvertrag enthaltenen also festgeschriebenen Kündigungsfrist neu zu bestellen. Es muss Ihrem Sachbearbeiter, beziehungsweise Ihrer Sachbearbeiterin. Verantwortlich für allergrößtes Ungemach war bislang eine Sachbearbeiterin mit dem im gewissen Sinn bereits besetzten Namen Bachmann. Ich würde sagen, weniger Ingeborg, eher im Sinne Rechtsaußen Lutz Bachmann. Schlecht geschriebene weil unpräzise Sätze. Syntaktisch und inhaltlich unsinnig. Es muss Bachmann klar sein, dass ein derartiges Ansinnen gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verstößt. Es deutet sich an, dass unter dem Deckmantel einer wissentlich herbeigeführten Anonymität dienstliche Pflichten grob fahrlässig verletzt worden sind. Besonders schwer wiegt, dass die nächste Auszahlungsperiode innerhalb der mir zustehenden Widerspruchsfrist liegt. Ein Widerspruch demnach in der Sache gar nicht wirksam werden kann, wodurch meine Rechte in mehrfacher Hinsicht verletzt werden. Durch Ihren derzeitigen Bescheid sehe ich mich einer unzumutbaren Lebenssituation ausgesetzt. Diese alleine durch Ihre Einrichtung herbeigeführte Situation ist in keiner Weise mit den Regelungen des Zweiten Sozialgesetzbuches in Einklang zu bringen. Die Bandbreite der als Ergebnis Ihres Schreibens denkbaren Folgen geht von einer. Meldung bei der Gauckbehörde. Öffentliche Brandmarkung. Vollständige Vernichtung meiner Existenz innerhalb weniger Wochen. Ich fordere Sie deshalb auf, Ihren Bescheid innerhalb einer Frist von zehn Kalendertagen.
Ich wollte dir schreiben. Ich will Dir nicht schreiben. Ich muss Dir schreiben. Ich weiß nicht, wie ich es Dir schreiben soll. Du weißt, dass ich schreiben kann. Ich hatte ein paar Mal angesetzt. Ich war in das Gasthaus Mampe gefahren. In dem es sich gut arbeiten lässt. Gelegentlich sehe ich den Dramatiker Carl Ceiss vor den Fenstern des Gasthauses Mampe vorbeischlurfen. Ceiss hatte während eines Bonzentreffens im Haus der Berliner Festspiele gefordert. Dass sämtliche Dramatiker doch bitteschön wie Dramaturgen und Pförtner und Wachhunde durch die Häuser fest an die Häuser gebunden werden. Festanstellung mit Urlaubsanträgen und Krankenschein. Im Grunde wollte Ceiss weiter Autorenleben mit Kaffeehaushängerei und Müßiggang zelebrieren. Nur künftig mit regelmäßigem Einkommen. Um es gleich vorwegzunehmen. Ich fand das unehrlich. Wie man es dreht. Eine Anstellung ist das Ende des Schreibens. Sie ist das Ende des zwanglosen Herumhängens in den Schankstuben der Republik. Womit wir langsam zu dem Punkt kommen, weswegen ich Dir. Weshalb ich. Der tatsächliche Anlass meines Schreibens. Ich schreibe Dir aus folgendem Grund. Seitdem wir miteinander. Wir hatten zwei Mal telefoniert. Das erste Mal. Ein zweites. Im August hattest Du mir versichert, dass es kein Problem sei. Abschlagzahlung für den fertigen Text. Im September hatte ich Dich angerufen, um Dir zu sagen. Wie sehr ich mich. Wie sehr ich Dich. Wie toll das alles sei und dass ich wirklich. Außerdem hatte ich Dich ein weiteres Mal. Schamgefühle. Du hattest mich um Geduld gebeten. Die Mühlen des Südwestrundfunks würden langsam nur, sehr langsam. Ich hatte gehofft, dass das Geld noch bis Ende. Ich wusste, dass ich Anfang Oktober am Arsch sein werde. Ich hatte mir, um meine Miete zahlen zu können. Wenn überhaupt mal Geld reinkommt, dient dieses Geld im Grunde nur noch dazu, bestehende Verbindlichkeiten zu bedienen. Jetzt haben wir Mitte Oktober. Niemand aus der Landesrundfunkanstalt hat sich bis jetzt. Um endlich mal nach meiner Bankverbindung zu fragen. Der Schuster in der Berliner Straße. Ein Schild auf dem Verkaufstresen. Reparatur von Schuhen nur gegen Vorkasse. Ich denke jedes Mal. Schuster, du freier Mann. Dazu aber auch das. Unsicherheit und Verzweiflung, die sich hier breit gemacht hatten. Die Traurigkeit über die Erkenntnis, dass ich kein Spieler bin. Sondern Gegenstand des Spiels. Sind einer Aufbruchsstimmung gewichen. Die Zusammenhänge, die sich so lange meinem Zugriff entzogen hatten, sind greifbar geworden. Ich verstehe endlich. Was ich Dir schreiben werde.
       
Was ich Ihnen schreiben wollte. Ich wollte Ihnen schreiben. Ich schreibe Ihnen heute. Ich schreibe Ihnen auf Ihren Brief. Ihr oben genanntes Schreiben. Vielen Dank. Herzlichen Dank. Über Ihr Schreiben habe ich mich. In diesem Schreiben möchte ich Bezug nehmen. Beste Grüße aus Berlin. Auf Ihr Schreiben möchte ich Ihnen Folgendes antworten. Zunächst. Zunächst möchte ich auf einige Punkte. Bevor ich auf den Inhalt Ihres. Ach wissen Sie. Mit Ihrem Schreiben haben Sie mir wir wirklich eine. Eine außerordentliche Freude. Da möchte ich gerne Ihr Gesicht sehen. Würde ich Ihnen einen derartigen Brief. Wie Sie sich vielleicht vorstellen können, haben mich Ihre Worte. Zur Sache Schätzchen. Ist der Titel eines Filmes. Den ich vor einiger Zeit angeschaut habe. Dass ich für Sie zu einem. Obwohl ich Ihnen. Fristgerecht. All die Jahre. Ich immer wieder, Sie hingegen kein einziges Mal. Wie das Rathaus der Stadt Schweinemaul, hinter dessen Fassade sich nichts befindet. Sehr geehrte Damen und sehr geehrte Herren. Verhält es sich mit Ihrem Institut. Ihr Betrieb ist die Simulation eines Betriebes. Eine Illusion. Ganz ehrlich. Sie müssen verrückt geworden sein, mir zu schreiben. Sie spinnen. Ich möchte Sie. Kleine verfressene Madentiere. Provinznasen. Deppen. Für mich sind Sie. Was ich Ihnen immer schon. Was Ihnen so passen könnte. Ich bin nicht weggegangen, dass ich mir nun von Ihnen. Sie schreiben mir. Mir werden Sie gar nichts mehr schreiben. Ganz ehrlich. Was ich Ihnen unbedingt noch schreiben wollte. Mehr als einmal habe ich gesehen, wie Sie gelangweilt auf Ihren Vitra Stühlen herumsaßen. Wenn es nach mir ginge. In den frühen Morgenstunden. Lastwagen mit laufendem Motor. Vor Ihren solide durchfinanzierten Häusern. Als Aushilfskraft in einem Backdiscounter. An der Hochdrucklanze in der Autowaschanlage. Eine Frechheit. Ihr nachlässig und fahrig verfasstes Anschreiben. Der Verkauf der Sparkasse an einen privaten Investor, sei ein großer Erfolg gewesen, der beim Publikum überaus gut angekommen sei. Der tatsächliche Anlass Ihres Schreibens. Damit Sie sich nicht falsch verstehen lassen. Weshalb Sie mir schreiben wollten. Was der ursprüngliche Anlass Ihres Schreibens gewesen sei. Was Sie mir geschrieben hatten. Ihr oben genanntes Schreiben. Ihr in der Betreffzeile. Ihr Inszenieren von Dringlichkeit. Ihr Erzeugen von Angst. Die zwischen den Zeilen verborgene Drohung, bei Zuwiderhandlung ausgeschlossen zu werden. Eine Kündigung ohne einen erkennbaren Grund. Eine Überraschung. Hiermit nehme ich Bezug auf Ihr oben genanntes Schreiben. Sie schreiben mir, dass ich. Würde ich mich nicht innerhalb von vierzehn Tagen. Dazu möchte ich Ihnen schreiben. Die in Ihrem Schreiben als so genannter Tatsachenbeleg angeführte Behauptung. Ich begreife Ihr Treiben als ein Spiel. Dass die Stadt Schweinemaul pleite ist. In Anbetracht der Tatsache. Was ich Ihnen vorschlagen kann. Ich möchte Ihnen hiermit. Nicht Sie werden mir. Ich werde Ihnen Kredit geben. Sehr herzlich. Mit besten Grüßen. Hochachtungsvoll.          
Nachdem der Heinz Dürr den Doktor Oberblomow zum Rapport einbestellt hatte, hat das Holz dem Oberblomow vorgeschlagen, den Wolfram Lotz zum Theatertreffen einzuladen. Dem Heinz Dürr wird auf diese Weise der Beweis geliefert, dass all das Geld, das er in den Stückemarkt hineingepumpt hat, mit der Abschaffung des Stückemarktes nicht etwa verloren gegangen ist, sondern nur auf ein anderes Konto verschoben wurde. Die Geldplattform entdeckt nun Autoren der eigenen Sammlung. Was diese Autoren schreiben und jemals geschrieben haben, ist vollkommen egal.
Trottelgefühl. Müdigkeit. Das Gefühl das eine mit dem anderen nicht in Verbindung bringen zu können. Obwohl es offensichtlich ist. Was geschieht, kommt nicht von irgendwo her. Dennoch ist es eine gelungene Überraschung. Dass er tatsächlich anruft. Erst verstehe ich kein einziges Wort. Unartikulierte Schreilaute über fünf Oktaven, als würde Kinskigott Klaus selbst sich die Ehre geben. Wie ich dazu käme, ein derartiges Zeug über ihn zu schreiben.  Was ich geschrieben habe, sei erstunken und erlogen. Mein einziges Ziel sei es, ihm Schaden zuzufügen. Er habe sich vorgenommen, in Ruhe mit mir zu sprechen. Nun breche es doch aus ihm heraus, könne er nicht anders, als mir zu sagen, dass ich ein mieses Stück sei. Eine Drecksau vor dem Herrn. Am liebsten würde er mir auf das Maul geben. Wie ich dazu käme, zu behaupten, er habe einen miesen Stil. Natürlich stimmt diese Behauptung, was jeder leicht sehen kann. Er natürlich einen miesen, einen saumäßigen Stil hat. Ich sei gegen die Kultur, ich sei eine kulturlose Existenz. Ob ich überhaupt ins Theater ginge. Kurze Antwort. Nein. Ob ich überhaupt auch nur den blassesten Schimmer davon hätte, was Theater wirklich sei. So jemand wie ich nenne sich Autor. Ich könne überhaupt keine Texte schreiben, Stücke schon gar nicht. Ich sei vollkommen ahnungslos. Schade, dass meine Mutter, oder war es meine Großmutter, nicht von den Nazis vergast worden sei, als sie mich Schädling in ihrem  Bauch getragen habe. Ich sei ein Stück Dreck, schiefes Bild, scheißegal, welches die erfolgreiche Arbeit wahnsinnig erfolgreicher Leute kleinrede. Meine Scheißtexte würden auf keiner einzigen deutschsprachigen Bühne gespielt. Ich sei erfolglos und unbedeutend. Ich sei ein Batzen Scheiße auf dem Teppich der Kultur. Immerhin. Jetzt schreit er wieder, dass ich kein Wort verstehe. Da kann ich mir richtig gut vorstellen, wie er seine Jungschauspieler erst durchfickt, dann zur Sau macht, dann wieder durchfickt und so weiter. Wie er sich wie der letzte Nazi an seinem fünftklassigen Haus aufführt. Die Leute ohne erkennbaren Anlass zusammenscheißt. Immer mit dem Hinweis, er sei Künstler. Alles was er mache, sei Kunst und zwar ganz große. Er wolle mich verklagen. Er werde mich vor ein deutsches Gericht zerren. Da muss ich das erste Mal lachen. Und ihm gleich sagen, dass ich mich jetzt schon drauf freue. Auf das deutsche Gericht. Ich furchtbar gerne vor deutschen Gerichten stehe und tatsächlich ja auch nicht zum ersten Mal. Er werde mich vor ein deutsches Gericht zerren, dass mir das deutsche Gericht noch im Gerichtssaal buchstäblich das letzte Hemd vom Leib reißt. Von mir werde nichts übrig bleiben, was ich schon sehr bald sehen werde. Da muss ich noch mehr lachen. Mein Lachen sprudelte einfach aus mir raus. Es ist aufrichtig und irgendwie freue ich mich doch, dass wir so nett miteinander sprechen können. Endlich ein ehrliches Gespräch zwischen all den unehrlichen, die so typisch sind für das deutsche Theater. Dann milder. Was der Scheiß eigentlich solle. Mal ganz im Ernst. Wir seien doch beide Theaterleute. Er sei ein Mann des Theaters, ich sei ein Mann des Theaters. Im Prinzip seien wir Kollegen. Wir würden an der gleichen Sache arbeiten. Beide säßen wir im selben Boot, er und ich. Jetzt also Widerspruch. Ablehnung. Begründung folgt. Wir also nicht im selben Boot sitzen und auch nicht im gleichen. Unsere Boote noch nicht einmal im selben Wasser schwimmen. Wieder Geschrei. Tierlaute. Was ich mir eigentlich einbilde. Ich sei gegen die Kultur. Sofortige Bestätigung. Zitat Meese, Kultur ist immer Dreck. Vollkommen zutreffend. Schade, dass am Literaturinstitut nie darüber gesprochen wurde. Weitere Vorwürfe. Ich würde dem Theater in Maul, das sich nach langer Depression nun wieder auf dem steilen Weg nach oben und so weiter, großen Schaden zufügen. Das Haus stünde geschlossen hinter ihm. Hinter mir stehe niemand, was ich nicht vergessen solle. Daran solle ich immer denken, wie sehr allein ich tatsächlich dastünde. Darüber solle ich nachdenken. Was er mir dringend empfehlen möchte. Das solle ich mir gründlich überlegen, ob ich weiter gegen ihn und seine doch sehr gute und auch wahnsinnig erfolgreiche Intendanz anschreiben wolle. Er kenne eine Menge Leute. Er sei mit dem Ulrich Khuon bekannt und dem Generalintendant Spuhler aus Karlsruhe. Es sei ein Leichtes für ihn, ein Kinderspiel sozusagen, mich ein für alle Male von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Ein Anruf genüge, ich bekäme im Theaterdeutschland keinen Fuß mehr auf den Boden. Alleine in seinem Ensemble gäbe es mehrere Leute, junge, kräftige Schauspieler, mir körperlich deutlich überlegen, die sofort bereit wären, mir auf die Fresse zu geben. Er an meiner Stelle, würde sich nicht so sicher fühlen. Er kenne Leute überall. Der Tag wird kommen, an dem ich aus meinem Loch gekrochen käme. Er werde dann vor meiner Tür stehen und mir beibringen, was echte Schmerzen sind. Kurzes Schweigen. Ich solle sofort die Kommentare von meiner Homepage nehmen. Verweigerung. Wieder Schweigen. Ob ich ihn nicht verstanden hätte. Wiederholung. Ansage. Meine Verweigerung führe zu nichts. Sie würde mir nichts anderes einbringen als weiteren Ärger. Wieder Schweigen. Geräusche, als hätte er gegen einen Schrank getreten. Was dieser ganze Scheiß solle. Meine Scheißaktion gegen ihn und sein Erfolgstheater. Ob ich das wirklich nötig hätte. Ob mir das nicht selber zu klein wäre. Ob ich nichts Besseres mit meiner Zeit anzufangen wisse. Als Leute zu behelligen, mit denen ich noch nicht einmal bekannt sei. Wir hätten uns noch nie gesehen. Ich wisse gar nicht, wer er in Wirklichkeit sei. Er könne sich keinen Reim darauf machen, was ich von ihm wolle. Irgendwie, ganz genau könne er das nicht sagen, jedenfalls sei das auf irgendeine noch näher zu bestimmende Weise irgendwie doch feige, dass ich meinen Unmut an jemandem auslasse, den ich nicht kenne und nie gekannt habe. Er mache mir einen Vorschlag. Er werde mir einen Vorschlag machen. Er lade mich ein in das Restaurant Borchardt, falls mir das ein Begriff sei. Dass wir uns näher kennenlernen. Wir sollten uns nicht wie die letzten Fotzen benehmen, sondern wie richtige Männer. Wir seien nicht miteinander bekannt. Er kenne mich nicht. Er habe meinen Namen nie gehört. Er lade mich ein an sein Haus. Ich solle mir selber ein Bild davon machen, wie erfolgreich seine Arbeit ist. Was das für tolle Inszenierungen seien, die das Theater Am Maul spiele. Das würden Leute wie ich auch noch einsehen. Dass unsere Kritik unberechtigt sei und falsch. Er ein Künstler sei, wenn ich ihn richtig verstanden habe, einer der größten, die dieses Land überhaupt zu bieten hat. Ein Großkünstler. Eine Spitzenkraft. Ein Topptheatermann. Wie ich überhaupt darauf käme, ihm zu unterstellen, er habe seinen Wikipedia-Eintrag gefälscht. Ob ich hirnwütig geworden sei, öffentlich zu behaupten, er habe sich angewanzt. Er sei eine Warze am Arsch der Demokratie. Was ich einzusehen hätte. Zitat. Wir hätten die Sache so klären können. Nun sei eine Klärung nicht mehr möglich. Ich hätte meine Chance vertan. Jetzt werde er mich verklagen. Er werde mich fertig machen, wie ich es mir in meinen schlimmsten Nachtschäden nicht vorstellen könne. Dann nur noch Geschrei. Gegenstände, die gegen eine Wand geworfen werden. Das Splittern von Glas. Das Telefon. Stille.
Deinem Wunsch, doch endlich das Schreiben einzustellen, kann und möchte ich nicht nachkommen. Ich habe im Grunde nicht viel mehr als diese Übung. Außerdem habe ich die Zeit dazu und es macht mir Spaß. Zurück also zum Thema. Du hast mir geschrieben, was für eine ehrliche Haut Fiste ist. Du nennst ihn einen Moralisten erster Klasse, einen vorbildlichen Kollegen und guten Freund. Alle hätten das längst erkannt. Nur ich würde es nicht erkennen, es nicht erkennen wollen. Dazu muss ich Dir schreiben, dass es mit der Ehrlichkeit Fistes so eine Sache ist. Die Ehrlichkeit Fistes sozusagen ausgewählt Anwendung findet, wie eine Art Universalwerkzeug. Nur stellt sich nach und nach heraus, dass dieses doch nicht zu allem passt
Dass Fiste bereits zu dieser Zeit ein doppeltes Spiel spielt, soll der Vollständigkeit halber nicht unerwähnt bleiben. So tritt er gerade nicht von seinen Funktionen als Mitglied der Intendantengruppe zurück, als es für eine gepfefferte Ansage ans Fußvolk gereicht hätte. Vielmehr tritt Fiste erst aus der Heeresleitung aus, als in Maul alles in trockenen Tüchern ist. Umso leichter ist es im Nachhinein zu behaupten, dass dieser Teil der Truppe suboptimale Arbeit verrichtet, seinen Anteil daran hat, dass Häuser wie das in Maul nicht aus der Knete kommen. Vor allem gibt Fiste hier zum ersten Mal einen Ausblick darauf, was er sich unter Moral vorstellt und kollegialem Verhalten
Damit wir uns nicht falsch verstehen. Besser so, wie Mara Genschel es einmal gesagt hat. Damit ich mich nicht falsch verstehen lasse. Moral ist nicht mein Maßstab und ist es nie gewesen. Ich schreibe es Dir lieber gleich direkt. Ich kann mit Moral nichts anfangen. Aber ich höre genau hin und lese zweimal nach, wenn jemand moralische Grundsätze als Leitmotiv angibt. Das fiese Misstrauen, das mich auf Schritt und Tritt begleitet, ist Folge eines Lebens unter Moralisten. Seit etwa sechs Jahren arbeite ich als freier Autor, hauptberuflich, wie es so schön blöd heißt. Ich habe in dieser Zeit eine Menge Generalintendanten kennerlernen dürfen, geschäftsführende Kaufleute und Chefdramaturgen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, waren diese Spitzenkräfte Bonzentypen wie Fiste selbst. Krisenmanager, die immer da sind, wo es brennt. Die Argumentation, die er und Rosinski den Soldaten gegenüber anbringen, Krieg sei genug vorhanden, nur könne man seine Durchführung bedauerlicherweise nicht besolden, habe ich oft genug zu hören bekommen. Wenn es um Gold ging, vor allem um mein Gold, fiel dem Toppmanagement meist gar nichts mehr ein
Nenne es von mir aus Kleinigkeit. Dass Fiste in eigener Sache mit einer Gagenforderung angetreten ist, die überhaupt nichts mit dem zu tun hat, was er der Belegschaft des Hauses als dringend notwendige Fastenkur verkauft. Trocken Brot predigen, selber Kuchen fressen. Das ist traurig zugleich und komisch. Es wird also mit großer Hingabe gespielt. Wahrscheinlich ist es Kunst, wie Fiste Lüge in Wahrheit verwandelt.  Jedenfalls begreife ich, dass er gerade nicht als Intendant nach Maul gekommen ist, auch nicht als mickriger Kulturdemokrat oder verlogenes Manageraas im Künstlerkostüm, sondern als Schauspieler
Ich betrachte Fiste nunmehr als eine Figur, die sich verbiegt, schimpft, bauchpinselt, kriecht  und aufrecht empört ist. Die vor allem nichts unversucht lässt, den eigenen Arsch zu retten. Fiste wird greifbar für mich. Deine Frage, warum Fiste für ein halbes Haus eine volle Gage erhalten soll, kann ohnehin nur durch ein Gericht beantwortet werden. Jede Bühne ist dafür geeignet.            
Fresse schrieb immer unter Anne. Schrieb ich irgendwas, bekam ich gleich tausend Negativbewertungen. Diese Bewertungen waren das Allerbeste.  Durch sie konnte ich sehen, dass Fresse richtig Stress hatte. Für ihn waren es schlimme Wochen. Er lief von Büro zu Büro, um auf jedem einzelnen Rechner seine Empörung abzuladen. Gleichzeitig hantierte er mit mindestens drei Smartphones herum. Es war immer lustig zusehen, wie lange er brauchte, um all seine tausend Geräte gleichzeitig zu bedienen. Wahrscheinlich schlief er gar nicht mehr. Ich hatte es mir angewöhnt, entweder noch nachts zu posten oder morgens. Wie alle Theaternasen, war Fresse es nicht gewohnt, früh aufzustehen. Fresse schrieb ab Mittag, meistens abends. Der Abend war die Zeit, wo man Fresse in seinem Haus antreffen konnte. Nach der Vorstellung ging er für gewöhnlich in die Kantine. Dort saßen seine einzigen Freunde. Seine Freunde musste Fresse bezahlen. Es waren seine Mitarbeiter. Außerhalb des Theaters hatte Fresse keine Freunde. Dort war Fresse nichts anderes, als ein gewöhnlicher Angestellter der Stadt Schweinemaul, der sich eine Menge Dollar für erstaunlich wenig Gegenleistung einsteckte. Der Leiterin der Stadtwerke, die auch nicht gerade wenig verdiente, die genauso Dumpinglöhne durchgesetzt hatte, brachte man Achtung entgegen. Weil jeder wusste, dass die Müllabfuhr unverzichtbar ist. Wozu man das Theater brauchte, wusste niemand. Einmal schrieb ich selber als Anne. Gleich bekam ich eine irre positive Bewertung. Da hatte Fresse sich über sich selbst freuen können. Dabei hatte ich nichts anderes geschrieben als sonst auch.            
Für mich bestand die Stadt lange aus dem Hitzeflug zwischen den Hochhäusern. Staub und Dreck und Autos. Die sich in einem einzigen Strom unter unseren Fenstern vorbei schoben. Streunende Hunde. Touristen. Die das Chaos und Staub und Dreck und Autos fotografierten. Mir war lange Zeit überhaupt nicht bewusst. Dass Kairo eine Altstadt hat. Dass es in Kairo neben all den Ruinen. In denen selbstverständlich Menschen leben. Die meisten Einwohner der Stadt Kairo ein Leben verbringen. Traditionell gebaute Häuser gibt. Schöne Häuser. Deren Bauweise eine angenehme Kühle spendet. Die ganz und gar ohne eine Klimaanlage auskommen. Nie sah ich Grün in der Stadt. Aber in den Gärten dieser Häuser. Die nicht nur prächtig sind, wie man es sich nicht besser vorstellen kann. Sondern ihren Besitzern etwas Unabhängigkeit schenken. Die Räume dieser alten Häuser haben ein Klima, wie man es in ganz Kairo nirgendwo finden kann. Ganz gleich zu welcher Tageszeit. Hält man sich gerne in ihnen auf. An den alten Häusern konnte ich sehen. Wie schön Kairo einmal gewesen ist. Gleichzeitig sah ich, was die westliche Kultur aus Städten wie Kairo gemacht hat
Meine Familie hat immer schon in Kairo gelebt. Meine Eltern haben sich in Kairo kennengelernt. Meine Brüder und ich sind in Kairo auf die Welt gekommen. Vater arbeitet als Rechtsanwalt. Wenn es im Viertel Streit gibt, wird Vater als Schlichter gerufen. Die Leute sprechen mit höchster Achtung von meinem Vater. Meine ganze Familie profitiert von seinem tadellosen Ruf. Wir sind eine angesehene Familie, mit den allerbesten Kontakten
Alle meine Brüder haben studiert. Zwei meiner Brüder sind Rechtsanwalt geworden. Wie mein Vater. Einer meiner Brüder wurde Arzt. Mein Wunsch ist es gewesen, Architektur studieren zu dürfen. Vater hat mir diesen Wunsch erfüllt. Ich werde ihm und meiner lieben Mutter immer dankbar sein
Nach Hamburg bin ich über einen Austausch gekommen. Es war mir nicht schwer gefallen, die deutsche Sprache zu erlernen. Vater fuhr viele Jahre lang einen alten Mercedes. Die deutsche Sprache ist wie dieses Auto. Grundsolide und ohne Schnörkel langweilig. Eine Sprache, wie geschaffen für einen Angriffskrieg. Aufstehen. Schneller. Vor dem Haus in Zweierreihen antreten. Auf die Lastwagen. Schneller. Schnauze halten. Abfahrt. Marsch
An den Blicken der Hamburger konnte ich sehen. Was sie von Leuten wie mir hielten. Am liebsten hätten die Hamburger Leute wie mich, an Händen und Füßen gefesselt, in ihren Fluss werfen lassen. Dass Leute wie ich eine Universität besuchen. War für die meisten Hamburger unvorstellbar. Die meisten Hamburger sahen Leute wie mich in der Nacht Büros putzen. Das Gras in den Gärten ihrer Kaufmannshäuser schneiden. Auch hätten sie es gerne gesehen. Dass ich mit einem Reisigbesen ihre Stadt kehre. Stattdessen besuchte ich die technische Universität. An der ich meine Studien fortsetzten konnte
Dass ich an den Professor Friedrich geraten bin, war ein großes Glück. Der Professor Friedrich hat mich in meinen Studien zur Gestaltung des Stadtraumes maßgeblich unterstützt und auch gefördert. Wir haben uns von Anfang an gut verstanden. Friedrich wurde so etwas wie mein Mentor. Er hatte nichts von der Arroganz der anderen Professoren. Die an der Universität wie eine Kultur gepflegt wurde. Ich habe Friedrich als einen produktiven, immerzu bewegten Menschen in Erinnerung und ich möchte sagen. Dass jeder Student etwas von ihm lernen konnte
An der Universität gab es so gut wie keine Frauen. Es studierten vor allem Männer dort. Zu deutschen Studenten gab es keine Kontakte. Die Deutschen haben uns wie Idioten behandelt. Sie hielten ihre durch den Einfluss Amerikas verseuchte Kultur für das mit Abstand Beste. Was man überhaupt nur bekommen konnte. Im Übrigen aßen sie mit Schweinefleisch belegte Brote und fickten sich gegenseitig in den Arsch
 Wir finden einen Schwerverletzten vor. Der erst Wochen nach seinem Auffinden seine Sprache zurückgewinnen wird. Er könne sich an nichts erinnern. Niemand könne sich an etwas erinnern. Am Fundort des Verletzten werden an ihren Armen zwei Scheibenwischer gefunden. Die tiefen Schnittwunden an beiden Händen des Verletzten. Spuren auf dem Asphalt. Weisen darauf hin. Dass in der Nähe des Fundortes ein Wagen stark abgebremst worden ist. An einer Straßenkreuzung. Wenige Kilometer vom Fundort entfernt. Wird ein Motorrad gefunden.  
Eine Gruppe Motorradfahrer. Fährt an einem Sonntag. Im Monat Juli. Über Landstraßen. Zu einem Café auf dem Land. Wo Kaffee getrunken wird. Wo Kuchen gegessen. Von wo aus. Nachdem Kaffee getrunken Kuchen gegessen. Es über Landstraßen hinweg. Durchzogene Linien. Zurück geht in die Stadt. Zurück gehen soll. Als hinter einer Kurve. Einer in ein entgegenkommendes Auto. Kracht. Ein BMW mit Berliner Kennzeichen. Einer mit einem Motorrad durch die Luft gewirbelt wird. Neben seiner Maschine. Aus der Öl und Benzin in ein Feld laufen. Auf dem Korn steht. Mit verdrehten Gliedern liegen bleibt. In einem BMW mit Berliner Kennzeichen. Eine Tür mit Füßen aufgetreten wird. Glassplitter auf einem Schoß. Jemand. Auf einem Feld. Einem regungslos Liegenden. Mit Fußtritten nachsetzt.  
Zuerst hieß es, dieser Strandabschnitt dürfe nicht mehr betreten werden. Er dürfe nur noch von Leuten betreten werden, die eine der Eigentumswohnungen in einem der Häuser hinter den Dünen gekauft hatten. Einige fragten, was dieser Scheiß solle. Ob jemand wahnsinnig geworden sei. Erst habe man nicht auf das Meer hinausfahren dürfen. Wo man wieder auf das Meer hinausfahren darf, dürfe man nicht mehr am Strand liegen. Andere wiesen darauf hin, dass Wohlstand für alle versprochen war. Dieses Versprechen nicht für alle eingelöst worden sei. Man denen, die überhaupt nichts abbekommen hatten und auch nichts abbekommen werden, nicht einmal einen Ort für Müßiggang zugestehe. Was eine Unmöglichkeit sei. Die nicht akzeptiert werden könne. Das Recht der Gewohnheit. Schließlich würden diese Leute immer schon an diesem Strand liegen, hätten diese Leute bereits an diesem Strand gelegen, bevor neue Eigentümer hier aufgekreuzt seien. Eine dritte Gruppe gibt es. Dieser Gruppe gehören all jene an, die es vorziehen nichts mehr zu sagen. Die Verbotsschilder beachtet ohnehin niemand. Die Pfähle, an denen sie angeschraubt sind, werden bei jeder Gelegenheit aus dem Sand gezogen, oftmals unter Beifall mit vereinten Kräften. Tagsüber wird von den neuen Herren nach der Polizei gerufen. Die Polizisten sind ratlos ob der Situation. Nach Dienstschluss möchten sie selber mit ihren Familien an diesem Strand liegen. Es gibt Momente im Leben eines Polizisten. Da wären Polizisten lieber Schaukelbremser auf dem Rummel geworden oder Wurstfachverkäufer. Dieser Strand gilt als einer der schönsten auf der ganzen Insel. Bis es die Häuser gab. Lag er verborgen hinter einem Küstenwald. Um hier sein zu können, musste man lange Wege in Kauf nehmen. In den Dünen gab es Mulden, in denen man ungestört bumsen konnte. Damit war es nun vorbei. Stattdessen wurde sich angeschrien. Jemand schlug jemand anderes mit einer Faust in ein Gesicht. So gut es ging, wurden die Schilder ignoriert. Die Hinweise, die überall angebracht waren. Ein einsamer Hausmeister wurde durch die Eigentümergemeinschaft aufgefordert, für Ordnung zu sorgen. Morgens kamen die Arbeitslosen und Frührentner, die alle ihre Stammplätze hatten. Nach dem Frühstück einige Feriengäste, die steif und fest behaupteten, immer schon hier her gekommen zu seien. Studenten. Familien. Einheimische. Weitere Badegäste. Die abgebrochenen und demolierten Schilder wurden regelmäßig ersetzt. Dann kommt der Tag, an dem ein privater Wachdienst seinen ersten Auftritt hat. Gewichtheber mit Hund, denen es schwerfällt, auch nur einen einzigen zusammenhängenden Satz zu sprechen. Derart zerfressen sind ihre Gewichtheberhirne von dem dekadenten Lebensstil, wie er in Gewichtheberkreisen üblicherweise gepflegt wird. Den Hausverwalter Reibach, den man sonst nur in der Zeitung gesehen hatte, sieht man nun öfters am Strand. Die Zufriedenheit seiner Auftraggeber sei ihm das Allerwichtigste. Außerdem. Fühlt er sich im Kreise seiner Aufpasser ausreichend sicher, um das Maul aufzureißen. Es ist allen klar, dass das riesenhafte Auto des Verwalters als Gegenstand eines Betriebes geführt wird. Dass es objektiv gesehen überhaupt gar keinen Sinn ergibt, sich am Auto des Verwalters zu vergreifen. Trotzdem hilft es dem Selbstwertgefühl ziemlich auf die Sprünge, das Auto des Verwalters niederbrennen zu sehen. Zumal es so einfach war, das Auto des Verwalters anzuzünden. Wir sprechen jetzt viel über Ordnung und Gemeinschaft. Meistens verlaufen die Gespräche, erst mit einiger Aufregung geführt, doch im Sand. Von der Kommunalpolitik haben wir keine Impulse zu erwarten. Wie stellen fest, dass die Kommunalpolitik an Leute verkauft wurde, die einen aufrichtigen Bedarf daran haben, dass weitere Abschreibungsobjekte errichtet werden. Mit Volksvertreter ist jemand gemeint, der ein Volk vertritt. Keiner von uns gehört einem Volk an oder hat jemals einem Volk angehört. Wir alle gehören der Bevölkerung an. Wir sind die, die übrig geblieben sind. Über deren Geschicke Entscheidungen zu treffen sind. Als wir Kinder waren. Wurden uns von anderen Kindern Bauklötze gegen die Köpfe geworfen. Jeder von uns ist es gewohnt, für andere der Idiot zu sein. Die Polizei kommt jetzt öfters. Die Polizisten sind nun mit einer Direktive ausgestattet. Es ist ihnen erklärt worden, worum es schließlich geht und gegen wen sich ihre Arbeit zu richten hat. In der Zeitung ist zu lesen, dass die Zusammenarbeit der Polizei mit dem privaten Wachpersonal ganz ausgezeichnet funktioniere. Man organisiere sogar gemeinsame Streifen. Und so weiter. Nachts tragen wir zusammen, was wir finden können. Holz zuerst. Autoreifen. Strandkörbe. Die Dinge endlich brennen zu sehen. Verschafft jedem von uns Befriedigung. Als nichts mehr da ist, schaffen wir Unrat herbei. Halbvolle Eimer mit alter Wandfarbe. Verrostete Dosen ohne Etikett. Sperrmüll. Alte Autobatterien. Einige von uns zerstoßen das Glas unzähliger Glasflaschen zu kleinen Glaskristallen, die in den Sand gestreut werden. Andere schaffen von irgendwoher große Mengen Fischabfälle herbei. Innereien. Fischleber. Galle. Mit denen die Möwen zu Tausenden angelockt werden sollen. Was auch gelegentlich gelingt. Ansonsten. Leistet die Strandreinigung gute Dienste. Ganz gleich, was auch immer wir unternehmen, zur Mittagszeit ist der Strand jedes Mal wieder in Ordnung. Als sei nichts geschehen. Ich möchte sogar sagen, dass der Strand mit jedem Tag sauberer wird. Ein Zaun wird errichtet. Drei Meter hoch und äußerst massiv. Wir sprechen, in Anlehnung an die Zustände im Lager Guantanamo, von einer amerikanischen Aktion. Nur mit dem Unterschied, dass wir nicht eingesperrt werden, sondern ausgesperrt. An dem Zaun werden Matten aus Sisal angebracht, damit die Reichen und Schönen, die wir als reiche und schöne Arschlöcher oder auch nur als Arschlöcher bezeichnen, sich durch unsere Blicke nicht gestört fühlen müssen. Die meisten von uns sind nun der Meinung, dass es keinen Sinn macht weiter zu machen. Dass wir eine weitere Schlacht verloren hätten. Dass eine Mehrheit immer recht hat. Sehen alle ein. Dass einige dennoch weitermachen, hat vor allem etwas mit der Neugierde zu tun und der Lust etwas Verbotenes zu tun. Keiner von uns hatte bis dahin irgendjemanden irgendeinen Schaden zugefügt. Die meisten von uns hatten von Anfang an auf die Fresse bekommen und es war klar, dass sie weiterhin auf die Fresse bekommen werden. Der Ort unseres Friedens war uns aufgekündigt wurden. Man hatte uns das Letzte genommen. Man hat uns daran erinnert, dass wir überhaupt nichts sind. Wir nichts zu sagen haben. In einer Tankstelle kaufen wir eine Flasche Motorenöl. Wir gießen den Inhalt dieser Flasche am nächsten Morgen an der Stelle, wo der Zaun bis an das Wasser reicht, in das Meer. Obwohl eine Flasche Motorenöl nicht viel ist, sind wir mit dem Ergebnis unserer Aktion zufrieden. Eine gute Stimmung macht sich breit. Begeisterung. Die nächsten Tage begeben wir uns auf die Suche nach Öl. Altöl in Fässern wäre uns das Liebste. Weil wir niemanden fragen wollen, kaufen wir in Tankstellen und Baumärkten. Außerdem besorgen wir uns im Angelbedarf ein kleines grünes Schlauchboot, mit dem wir nachts in die verbotene Zone rudern. Wir führen mehrere Aktionen durch. Dass in der Zeitung nichts von einer erheblichen Verunreinigung des Strandes zu lesen ist. Liegt daran. Dass die regionale Presse gleichgeschaltet ist. Regionalreporter von Hotelbesitzern zum Essen eingeladen werden. Für geringste Informationen zum Leben von Schlagersängern Verbundenheit und Treue erwartet werden. So ruft der Chef des Tourismusverbandes den Chefredakteur der Zeitung an. Um dem Chefredakteur zu erklären. Was seine Vorstellung von einer anständigen Zeitung sei. In einer anständigen Zeitung würden Buchlesungen angekündigt. Reinhold Calmund liest im Haus des Gastes aus seiner Autobiografie mit dem Titel Fußballbekloppt. Was uns wirklich interessiert. Ist ein ganz und gar leerer Strand. An dem ein einzelner Wachmann entlangläuft. Einen Hund an seiner Seite.                      
Keiner von uns kann verstehen, was auf einmal in ihn gefahren ist. Wieso er sich plötzlich derartig verhält. Die Vorgespräche, die wir geführt haben, sind allesamt gut verlaufen. Wir hatten uns gleich verstanden. Jedenfalls. Hatten wir den Eindruck, dass wir uns gleich verstehen. Worum es also ging. Wir hatten über die Vergabe eines Auftrages gesprochen. Wir wollten, dass er etwas für unser Haus schreibt. Wir hatten über Stoffe gesprochen und Inhalte. Was wir uns vorstellen können. Was machbar für uns wäre. Wir sind mit allem durch. Im Grunde ging es nur noch darum, die Verträge zu unterzeichnen. Und dann so etwas. Zitat. Dass das Theater an sich schon mal eine Scheißidee sei. Zitat. Den Leuten zu sagen. Zitat. Hier habt ihr ein Loch in einer Wand. Da könnt ihr euch reinstellen und denen da draußen zeigen. Wie es wirklich ist.
Überall lagen Stofffetzen herum. Die Toten selber waren nackt. Sie hatten ihre Kleidung durch den ungebremsten Fall aus großer Höhe verloren. Kopfüber hing eine junge Frau in einem Baum. Wir gingen davon aus, dass es sich bei der jungen Frau um eine der Stewardessen handelte. Wir holten die junge Frau aus dem Baum, um sie mit den Kameras unserer Mobiltelefone von allen Seiten zu fotografieren. Anschließend fuhren wir weiter.
Ich fuhr mit meiner Frau auf der Landstraße von K nach T. Dort wo die Straße ansteigt, über eine Steigung durch eine Schonung hindurch führt, bemerkte ich im Rückspiegel ein Kraftfahrzeug BMW mit Berliner Kennzeichen. In etwa an der Stelle, wo die Zone siebzig anfängt, überholte uns der BMW. Völlig unvermittelt bremste dieser nach dem Überholen stark ab. Schließlich. Blieb dieser stehen. Weshalb auch wir zum Anhalten genötigt wurden. Ein junger Mann, nicht besonders kräftig, Brillenträger, stieg aus dem Auto. Ich hatte den Eindruck, dass der junge Mann stark erregt war. Meine Frau bat mich, die Türen unseres Opel zu verriegeln. Was ich auch sofort tat. Der junge Mann kam an mein Fenster. Ich verstand nichts von dem was er sprach. Seine Aussprache war undeutlich. Außerdem. Bin ich Träger eines Hörgerätes. Und als solcher. Auf eine ordentliche Aussprache angewiesen. Der junge Mann ging zurück zu seinem Auto, öffnete den Kofferraum. soweit ich es sehen konnte. Entnahm der junge Mann diesem einen Prügel aus Holz. Ich möchte sagen. Eine Art Keule. Er kam zurück an mein Fenster. Ich sagte ihm, dass ich lediglich aus Versehen an den Hebel für die Lichthupe gekommen war. Außerdem kann es gut möglich sein, dass ich mich tatsächlich für mein Verhalten entschuldigt habe. Allerdings. Habe ich mich nicht für mein Verhalten entschuldigt, weil ich einen Anlass dafür gesehen habe. Sondern. Um die Situation zu befrieden. Die meine Frau und ich als unangenehm empfunden haben  
Um ein Material wie die Mercedes S-Klasse bearbeiten zu können, bedarf es Techniken, die an einer Kunsthochschule überhaupt nicht gelehrt werden. Ihr Vorhandensein wird nicht im Ansatz erwähnt. So dass dem Gestalter nichts anderes übrig bleibt, als selbst tätig zu werden
Rowohlt Verlag GmbH. Honorargutschrift. Titel. Kluck + Altmann Komma Das Scheißleben meines Vaters… Theater/Medien. Aufführungen Ausland. Schauspiel Graz GmbH. Aufführung 30.04.2014. Eine. Endbetrag. 45,90€. Aufführungen Mai. Drei. 182,22€
Ich habe an der Hochschule nicht sehen können, wie man es macht. Ich habe sehen können, wie man es nicht macht. Ich habe Techniken kennengelernt, die ins Nichts führen. Deren einzige Wirkung es ist, eine vorhandene Kraft zu eliminieren. Alleine der Umstand, dass es eine durch einen Staat initiierte Prüfung zum Künstler gibt, weist mich darauf hin, dass ich unmöglich ein Künstler sein kann
17.07.2014. Rowohlt Verlag. Hessisches Landestheater Marburg. Verrechenbare Lizenz. Aufführung Inland. Warteraum Zukunft. Aufführung 16.04.2014. Honorar netto. 61,94€
Ich sehe mich außerstande, die scheinbar einfache Frage zu beantworten, welchen Beruf ich ausübe. Werde ich gefragt, ob ich ein Künstler sei, dann antworte ich, dass ich kein Künstler bin und auch kein Künstler werden möchte. Wenn es Ihnen weiterhilft, sollen mich die Leute als einen Betrachter betrachten. Als jemanden, der Dinge, die allen bekannt sind, in der Art beschreibt, dass sie einem vorkommen wie nie beschrieben
Ihre so genannte Kritik ist ein Batzen Scheiße auf die Arbeit eines jeden echten Kritikers. Ihre Empörung ist die Simulation einer Empörung. Ihre fachlich fundierten Einwände sind nichts anderes als Befindlichkeiten. Sie haben uns keine neuen Informationen geliefert. Sie haben unsere Zeit für etwas beansprucht, was uns tatsächlich überhaupt nicht weiter bringt. Sie haben versagt
Sie haben Schande über sich und Ihren Namen gebracht. Sie haben Ihren Namen im Namen anderer durch den Dreck gezogen. Sie haben die Möglichkeit einen Standpunkt zu beziehen ungenutzt verstreichen lassen. Sie haben es nicht vermocht, aus der Aufmerksamkeit, die Ihnen zuteil wurde, einen Nutzen zu ziehen. Sie haben sich durch Ihr Handeln selbst disqualifiziert. Sie haben anderen Schaden zugefügt. Ihr Handeln ist unverantwortlich. Sie haben feig gehandelt. Sie haben sich als ahnungslos erwiesen. Sie haben den Versuch unternommen, sich auf Kosten anderer einen Vorteil zu verschaffen
Sie sind aufgeflogen. Sie werden mit Ihrem Namen genannt. Sie werden sich nicht weiter hinter anderen verstecken können. Ihre Ausreden werden sich als nutzlos erweisen. Sie werden sich nicht herausreden können. Sie werden unmöglich weiter auf Kosten anderer bestehen können. Sie werden sich verändern müssen
Die Nominierung des Uli Hoeneß zum Schauspieler des Jahres sei ohne Alternative gewesen. Der Schauspieler Hoeneß, so Peter Spuhler im Namen der Jury, nehme die Zuschauenden mit auf eine packende Reise durch das Innenleben
Besonders überzeugt habe die Jury der außerordentlich hohe Grad an Glaubwürdigkeit, der Hoeneß Figuren verleihe  
Hoeneß sei bereit für den entstandenen Schaden im vollen Umfang aufzukommen. Zudem werde er an einer lückenlosen Aufklärung des Falles seinen Anteil leisten
Er könne sich nicht erklären, wie es soweit kommen konnte. Die Vorgänge hätten sich ihm ganz und gar entzogen. Warum sich ihm die Vorgänge entzogen hätten, könne er nicht sagen. Zudem. Er stelle heute fest, dass er nicht er selbst gewesen sei. Dass er, statt er selbst zu sein, die ganze Zeit hinweg tatsächlich jemand ganz anderes gewesen sei. Er sei jemand gewesen, den er nicht gekannt habe und auch nicht kenne. Alles sei sehr rätselhaft und überhaupt nicht zu erklären. Es habe sich ein Zustand der Verwunderung eingestellt. Was wir uns vorstellen könnten. Er sei über diese Erkenntnis zutiefst erschrocken und auch schockiert
Er akzeptiere die Entscheidung des Gerichtes. Er habe sich entschieden, gegen die Entscheidung des Gerichtes keine Rechtsmittel einzulegen. Weil er ein vernünftiger Mensch sei, der für sein Handeln gerade stehe. Er sei bereit, die durch das Gericht gegen ihn verhängte Strafe anzunehmen
Die Jury des Theatertreffens bestehe aus sieben Theaterkritikern. Die ehrenamtlichen Juroren blieben maximal drei aufeinanderfolgende Jahre im Amt. Berufen würde die Jury von der Leitung des Theatertreffens und dem Intendanten der Berliner Festspiele
Barbara Burckhardt habe ein Studium der Theaterwissenschaften, Germanistik und Politologie in München absolviert. Sie sei langjährige Mitarbeiterin des Bayerischen Rundfunks und der Frankfurter Rundschau. Zudem. Sei BB Jurorin beim Festival Impulse und den Mülheimer Theatertagen gewesen. Seit neuzehnhundertsiebenundneunzig sei sie Redakteurin der Zeitschrift Theater heute
Anke Dürr, geboren neunzehnhundertneunundsechzig in Hamburg,  sei in München aufgewachsen. Auszug. Studium Diplomjournalistik und Theaterwissenschaft in München und Bologna. Zudem. Besuch der Deutschen Journalistenschule. AD sei seit neunzehnhundertfünfundneunzig Theaterredakteurin beim Kulturspiegel in Hamburg
Peter Laudenbach, geboren neunzehnhundertvierundsechzig, habe Germanistik und Theaterwissenschaft an der FU Berlin studiert. Er arbeite seit neunzehnhundertneunzig als freier Autor für die TAZ, die Theaterzeitschrift Theater heute, den Tagesspiegel. Er seit zweitausenddrei Autor für das Wirtschaftsmagazin brand eins
Das Landgericht München II sei unter der Intendanz Schmidt-Sommerfeld mit zehn Stimmen zum Theater des Jahres gewählt worden. An der Umfrage hätten vierundvierzig Kritiker teilgenommen
 
Die Verbundenheit zum Volk als Geschäftsmodell. Zitat. Ein Verständnis simulieren. Vertrauen herstellen. Ein Mitempfinden bekunden, das es tatsächlich gar nicht gibt. Die Belange der Fußgänger für seine eigene Sache nutzbar machen. Die Wut des so genannten Kleinen Mannes als Antrieb für eigenes Arbeiten brauchbar machen und gebrauchen
Der neue Mini Countryman, Neo Rauch, Martenstein, das Magazin Playboy. Erste Probewoche, Rösner auf der Stargarder Straße. Jauch zu Rösner, ob Rösner möglicherweise völlig bekloppt sei. Er und seine Töchter hätten tot sein können. Ob Rösner verrückt geworden sei, ob Rösner überhaupt keinen Funken Verstand besäße, ob er nicht antworten könne, ob er stumm sei oder einfach nur blöde. Frage an Jauch als Frau, warum es im Zimmer des Sohnes nicht einmal einen anständigen Schreibtisch gibt, während das Zimmer der Töchter, der Welt der Mütter gleich, ganz und gar eingerichtet ist. Lass doch den Idiot, sagt die Töchter zu Jauch, lass ihn doch einfach, er ist hirnwütig geworden. Ein erster Schlag fällt. Rösner gegen Jauch. Jauch am Boden, von überall her kommen sie gelaufen. Stopp. Eine Frau sagt, lassen Sie die Frau in Ruhe. Stopp. Lassen Sie die Frau in Ruhe, Rösner. Und weiter. Es tue nichts zur Sache, ob er mit dem Fahrrad auf einer Straße gefahren sei oder in einen lauwarmen Schwamm onaniert habe. Fordern und Fressen. Jauch speit aus, ein weiterer Tritt, ein weiterer Schlag. Es sei doch ein ziemlicher Blödsinn, zu behaupten, früher sei aufgehört worden, wenn erst mal einer am Boden gelegen habe. Habe erst mal einer am Boden gelegen, dann habe man aufgehört und sich mit Dialektik beholfen. Im Übrigen ging es beim Meeseprinzip mitnichten darum, die Generation Meese, die angeblich eine wehrlose sei, vor ein Gericht zu zerren. Rösner solle aufhören zu schreien. Jemand werde die Leitung rufen. Rösner solle nicht wagen, den Ort der Tat zu verlassen. Jemand legt Jauch eine zusammengerollte Jacke unter den Kopf. Schliemannstraße, die Firma Jack Wolfskin, Milchkaffee, Sandra Maischberger. Die Leitung erscheine aus allen Rohren. Rösner habe ihn und die Töchter angegriffen, Rösner sei Schuld an allem, Ende Szene eins. Der neue Audi Sportback. Das Zweite Deutsche Fernsehen, der Jugendkanal Neo, der Berliner Stückemarkt, der Dramatiker und Regisseur Roland Schimmelpfennig, Ignacio López, Frank Schätzing, Andreas Kieling, der Schriftsteller Daniel Kehlmann
Es ist offensichtlich, dass etwas, was diese Leute hervorgebracht hat, nicht imstande sein kann, geeignete Maßnahmen gegen diese Leute einzuleiten. Gleichzeitig ist jedem von uns klar, die Ukrainer und Polen, die am schlechtesten behandelt werden, haben es immer schon gewusst, dass diese Leute sich irgendetwas einfallen lassen werden, um gerade nicht verantwortlich zu sein. Sich zu verpissen. Sich aus der Affäre zu ziehen. Die Schuld bei jemand anderem suchen. Andere für die eigene Schuld verantwortlich machen. Sich auf ein System berufen. Sich als von Mächten gesteuert machtlos vorstellen. Sich auf eine ganz andere Zeit berufen, über die man nicht mitreden könne, da man jung sei. Empört sein über eine derartige Frage. Aufgebracht sein. Angewidert. Sich an nichts erinnern können. Bedauerlicherweise krank sein. Bedauerlicherweise gerade jetzt krank sein. Immer noch krank sein. Vom Tode gezeichnet unheilbar krank sein. Zu alt sein, um sich an irgendetwas erinnern zu können. Das Recht des Alters auf Ruhe und Frieden für sich in Anspruch nehmen. Zum Kind werden. Alt sein und nichts wissen. Darauf hinweisen, dass alles schon so lange her sei. Sich überhaupt nicht erinnern können. Bass erstaunt sein. Baff sein. Erschüttert sein über die tatsächlichen Ausmaße. Über die Maßen erstaunt sein. Zutiefst beunruhigt sein. Erschrocken. Schockiert sein. Mitgefühl empfinden. Mitleid. Empathie. Mit den Menschen fühlen. Sich in die Situation der Menschen einfühlen können. Eine Zuneigung empfinden. Verantwortung. Als Mensch anderen Menschen helfen wollen. Tiefes Erbarmen empfinden. Aufrichtig Anteil nehmen. Sich einsetzen. Sich stark machen. Seine Möglichkeiten für eine gute Sache nutzen. An jene denken wollen, die kein Glück gehabt hatten. Aus freien Stücken helfen wollen. All denen helfen, die sich selbst nicht helfen können. Anderen Menschen helfen. Sich für andere einsetzen. Sich aufopfern. Sich aufopferungsvoll um andere bemühen. Einen Anteil erbringen. Einen Dienst leisten. Seine eigenen Kräfte verfügbar machen. Sich nicht schonen. Für andere da sein. Das sei die tatsächliche Stärke dieser Leute
Da sind Sie wohl etwas erstaunt, Herr Brecht, dass wir miteinander sein können. Hier an dieser Stelle. Ich möchte auch gar nicht sagen, Mein lieber Herr Brecht oder auch Lieber Brecht, weil ich mir gar nicht so sicher bin, ob Sie tatsächlich Mein sind oder Mein werden können. Durchaus ist es möglich, dass Sie einiges an Zeit in der Erde des Dorotheenstädtischen Friedhofes verbracht haben. Wenn ich selbst zu Ihnen ehrlich sein darf. Ein anständiges Stück Fleisch wäre mir natürlich lieber als Ihre morschen Knochen. Da darf ich als Betrachter durchaus etwas entsetzt sein, über Ihre derzeitige Verfassung. Über den Zustand, in dem Sie sich hier einer Öffentlichkeit gegenüber präsentieren. Im Übrigen kann ich Ihnen keine weiteren Angaben dazu machen, ob der Claus Peymann tatsächlich Ihre Grabstätte für sich und seine Zwecke beansprucht, Sie und die Gattin exhumiert und an andere Stellen gebracht werden. Wie Sie schon festgestellt haben, wäre eine Knochenmühle ein angemessener Ort. Wo man Sie und Ihresgleichen sehr wohl zu schätzen weiß. Was ich mir sehr gut vorstellen könnte und auch tatsächlich vorstellen kann. Sie und Ihre Frau als Seife. Da muss ich mich fragen, ob ich nicht auch anfangen möchte, mich und mein Fell zukünftig einer geregelten Reinigungsarbeit auszusetzen. Die Pflege des Körpers. Man wäscht sich den Arsch und tatsächlich ist es Brecht. Andererseits ist es natürlich möglich, und nach all dem, was wir mit dieser als ironisch zu verstehenden Interpretation eines Künstlers bereits erleben durften, auch denkbar, dass Peymann gar nicht auf die Entnahme Ihrer Gebeine besteht und bestehen muss, sondern sich einfach zu Ihnen und Ihrer Gattin begibt. Er ist ja auf so erfrischende Weise verrückt und auch unkonventionell. Und immer lässt er sich etwas Lustiges einfallen. Da sehen wir ihn in seinem Intendantenbüro sitzen, wie er nach dem Volke ruft. Kommt zu mir. Fußgänger. Meine lieben Dramaturgen. Ich gedenke Ihnen heute zu beweisen, wie ich kraft meiner ungeheuren Erfahrung als genialer Theatermensch und auch Macher, in etwa aus dem Stand, wie Sie gleich sehen werden, imstande bin, einen Riesenwirbel auszulösen. Sie werden es nicht glauben. Ich kann ganze Staaten untergehen lassen. Systeme ins Wanken bringen. Der Thomas Bernhard, der ein zeitgemäßer Autor sei, habe mir zeitgemäße Stücke geschrieben. Es werden die Herrschaften Verwunderung erfahren und auch Befremden. Im Intendantenbüro Peymann gäbe es einen Schrank, in welchem sich, recht straff gespannt, eine Anzahl an Schnüren befindet. Und so ziehe der Peymann recht kräftig an einer dieser Schnüre, gleich kippt jemand, gerade noch mitten im Leben stehend, auf der Stelle um, bleibt liegen und ist tot. Was ich mir schon gedacht habe. Dass der Peymann Sie bis ins Grab verfolgen wird. Wie es so ist, in diesem Betrieb. Immer schön zusammen bleiben. Von seinesgleichen umgeben unter sich sein. Sich mit sich selbst befruchten. Sich auf sich selbst berufen. Nun zu Ihrer Frage. Ob ich mit Ihnen schlafen möchte. Nein. Ich denke nicht. Nur weil ich ein Hund bin. Was Sie wohl glauben. Das ist mir viel zu aufwendig. Ficken. Da habe ich überhaupt keine Lust drauf. Es war schon anstrengend genug, Sie hier aus der Erde herauszuscharren. Dass wir beide uns nochmal so schön unterhalten können. Von Brecht zu Hund. Wissen Sie, Herr Brecht, was ich Ihnen immer schon mal sagen wollte. Dass es mir nämlich am besten gefällt, wenn immer gesagt wird, der Brecht habe Frauen für sich arbeiten lassen. Der Brecht habe als Schreiber andere für sich schreiben lassen. Der Brecht sei ein Dichter der Arbeiter gewesen und der Arbeitenden. Und so haben Sie sich mit dem Subjekt Ihrer Arbeit in ausgiebiger Weise befasst. So kann niemand sagen, der Brecht habe über etwas geschrieben, wovon er selber überhaupt keine Ahnung gehabt habe. Was der Brecht geschrieben habe, sei angelesen. Konstruierte Wirklichkeit. Fiktion. Der Brecht schreibe über Vernichtung, tatsächlich habe er keinen einzigen Menschen selbst vernichtet. Was er schreibe, sei Dichtung. Eine Kopfgeburt. Fiktion. Das will man natürlich nicht haben. So etwas. Authentizität ist gefragt. Nachvollziehbare Geschichten. Welthaftigkeit in den verhandelten Themen. Signifikanz. Wie ich die Sache sehe. Den Betrieb als eigentliche Inszenierung begreifen. Ihre Protagonisten als Figuren verstehen. Kaufleute und Intendanten als Feldherren in den Zelten vor den Mauern Trojas. Und wer sind Sie, wenn ich mal fragen darf? Mein Name sei Christoph Schlingensief. Ich werde hier gerade als Steigbügelhalter der Geschichte eingeführt. Geben Sie sich keine Mühe. Ich bin eine Figur ohne Kontext. Wussten Sie, dass mein Vater auch eine Apotheke hatte? Bevor Sie fragen. Wiederum. Mein Name sei Wolfgang Joop. Aus didaktischen Gründen. Ich sage es Ihnen gleich direkt. Der Christoph ist bloody gewesen und radikal. Und was Sie auch nicht wussten. Ich habe dem Christoph damals Chance 2000 finanziert. Das ganze Geld kam von mir. T-Shirts habe ich auch entworfen und warum? Weil ich es mir leisten kann. Weil ich es mir wert bin. Weil ich mich selber hoch einschätze, ich ein gutes Bild von mir habe. Katharina Wagner, Leiterin der Wagner Festspiele Bayreuth, verabschiedet sich in der Berliner Zeitung von Christoph Schlingensief. Harald Falckenberg. Kunstsammler. Möchte anmerken. Zitat. Wenn Christus Geld brauchte, dann für seine Arbeit, nicht für sich selbst. Christus habe durch uns Kontakt mit der Züricher Galerie Hauser und Knete finden können und auch tatsächlich gefunden, worüber wir uns alle riesig gefreut haben. Was eine Riesenfreude für uns gewesen sei. Wie Sie sich vorstellen können. Die Zusammenarbeit sei schwierig gewesen. Weil niemand Schlingensiefs Arbeiten kaufen wollte. Sie seien unverkäuflich gewesen. Schlingensief habe gesagt, scheißegal, ich nehme das Geld auch so. Und so liege er hier und so pupse er in sein Plumeau. Und in den Gräben um die Mauern der Stadt stehen die Menschen bis zum Hals in der Scheiße. Sehen Sie, Herr Brecht, da könnten Sie gleich wieder einsteigen. Nostalgie. Sicherheit. Erhalt. Restauration.             
Mit der Unterscheidung zwischen privater und öffentlicher Person K. schneiden Sie gleich ein für mich einigermaßen gewaltiges Thema an. So habe ich zumindest über eine von zwei Figuren keinerlei Kontrolle. Jedoch muss die andere Figur damit leben, dass beispielsweise Sie mir erklären, dass ich „noch auf eine Autorenschaft bestehe“, ohne dieses weiter auszuführen. Die Halbwertzeiten junger Autoren sind überschaubar. Sie werden gebraucht, von Dramaturgien, Stiftungen und Stipendienwerken vorgezeigt, um nach drei Spielzeiten, vielleicht vier, ausgemustert und weggeworfen zu werden. Genau in dieser Zeit befinde ich mich nun. Sie deuten den Abgesang in Ihrer Ankündigung an. Jedenfalls hätte ich Ihnen vor ein paar Jahren sofort für Ihre Veranstaltung zugesagt, um eine derartige Vorlage mit vielen Worten zu dementieren. Im Grunde war ich die letzten Spielzeiten mit nichts anderem befasst. Dabei fühlt es sich viel weniger schlimm an als gedacht. Sie werden sehen, dass überhaupt nichts passiert. Sie und Ihre Kollegen werden dafür sorgen, dass die Dinge weiterlaufen wie bisher. Dass sich überhaupt nichts ändert, dass gespielt werden kann als sei nichts gewesen
Schon die von Ihnen verwendeten Termini zeigen mir auf, dass Sie der Markt ganz und gar aufgefressen hat, Sie nichts anderes mehr wollen, als zu dienen und zu Diensten zu stehen. Seit einer Weile beobachte ich, wie Sie Leserkommentare auf Ihrer Seite zensieren, wie Sie Meinungen, die Ihnen nicht recht sind, systematisch ausblenden und dieses Ausblenden und Unterdrücken als eine wichtige Aufgabe wahrnehmen, die erledigt werden muss. Ihre eigenen Einträge werden endlich tendenziöser. Sie werden immer ehrlicher zu sich selbst und zu allen anderen. Sie haben sich eingerichtet mit der Angst nicht weiter dazugehören zu dürfen. Sie haben akzeptiert, dass es Ihnen nicht zugestanden wird auch nur eine einzige Entscheidung selbst zu treffen. Sie suchen nach jemandem, von dem Sie hoffen, er sei noch hilfloser als Sie es sind. Sie reden sich ein, dass das mal locker drauf Loslabern während Ihrer so genannten Konferenz tatsächlich ein Diskurs ist. Dabei wissen Sie bereits aus dem Vorjahr, dass überhaupt nichts dabei herauskommt. Dass es viel besser wäre, zumal an einem Sonntag, mit sich selbst befasst im Bett zu verbleiben
So wie das Management der meisten Intendanzen das Spiel und die Literatur gegen Bonzengehälter und Nutten getauscht hat, so haben Sie Ihre Unabhängigkeit an die Drecksau Kultur verhökert. Das, wie Sie schreiben, Unabhängige Theaterportal Nachtkritik, ist nun von oben bis unten vollgeschissen mit Anzeigen für irgendwelche Stücke, Regiestudiengänge und Autorenfestivals. Im Grunde für all das, was sie vorgeben kritisch zu hinterfragen. Wie kommen Sie nun also dazu zu behaupten, dass es sich bei Ihrer Inszenierung um keine Inszenierung handelt. Dass Ihre Konferenz, zumal mit dem Volkswagenkonzern im Hintergrund, etwas ganz anderes ist als ein Schauspiel
Im Nachhinein stelle ich fest, dass ich mit allem viel zu brav gewesen bin. So hatte ich mich zu lange um irgendwelche Befindlichkeiten gesorgt, was unnötig war, wo die Karten ohnehin längst offen lagen. Mein Zugriff hätte in einer viel radikaleren Weise erfolgen müssen. Es hätte gar keine Verträge geben dürfen, keine einzige Abmachung, wie etwas zu werden hat. So bin ich zumindest froh, dass nichts über einen Versuch hinausgekommen ist, dass durch diesen Text keine weitere Adaption einer Vorlage entstanden ist
Mich selber abzuschaffen, war von allen Entscheidungen noch die beste. Wo ich mich nicht mehr ertragen konnte. Wo ich mich und das was ich tat zum Kotzen fand. Wo ich bereits angefangen hatte, mich für meine Herkunft zu rechtfertigen und nicht bemerkt hatte, dass ich, bevor ich auch nur ein einziges Wort geschrieben hatte, bereits der Idiot war
 
Mir ist bis heute nicht ganz klar, was das Haus bewogen hat, mir einen so genannten Schreibauftrag zu geben, wo es sich, wie sich nun zeigt, offensichtlich nicht mehr von diesem Schreibauftrag versprochen hat, als ein Nacherzählen eines Stoffes. Dabei fand ich es viel interessanter, dass Andreas Altmann durch das Erscheinen des Buches auf einmal nicht mehr Reisebuchautor und Reportagenschreiber war, sondern eine Figur des öffentlichen Lebens, dessen Geschichte zu einem Diskussionsgegenstand geworden ist, der nur noch markgerecht aufgearbeitet werden musste
Umso absurder ist es, dass das Haus den Altmannstoff mit dem Titel des Buches, und zwar unter meinem Namen, als hätte ich dieses Buch geschrieben, als sei die Geschichte, die in diesem Buch erzählt wird, nicht die Geschichte des Andreas Altmann, sondern meine eigene, ohne einen weiteren Kommentar in seiner Spielplanvorschau ankündigt   
Das Buch ist die Blaupause für eine wirklich gut gemachte Inszenierung, der ich ganz und gar auf den Leim gegangen war. Ich hatte mich mit allem verlaufen, was soweit ging, dass ich mich zwischenzeitlich fühlte, als würde ich für die Leute vom Piperverlag als Lohnschreiber arbeiten. Ich hatte das Gefühl ein Arbeitnehmer zu sein, allerdings mit dem kleinen aber doch nicht ganz unwichtigen Unterschied, dass am ersten des Monats gerade kein regelmäßiger Zahlungseingang auf meinem Konto zu verzeichnen war. Ich hatte jahrelang, etwa sechzig Stunden pro Woche, für das Theater gearbeitet und hatte für dieses Arbeiten, von wenigen erfreulichen Ausnahmen abgesehen, überhaupt kein Geld erhalten. Zwölf Premieren in einer Spielzeit. Beim Premierenapplaus der Blick von der Bühne hinab ins Publikum. Gymnasiallehrer. Rechtsanwälte. Ärzte. Söhne und Töchter. Einmal hatte ich eine Journalistin als ein Stück bezeichnet, als diese mich gefragt hatte, ob ich von meiner Arbeit leben könne
Es gehört am Theater zum guten Ton, dass man sich als Mitglied des Theaters gerade nicht überhöht, indem man beispielsweise zu seinem Hemd eine Krawatte trägt, sondern sich verbunden zeigt mit der arbeitenden Bevölkerung, dem Pöbel, wie Sie es nennen. Aus diesem Grund achte ich darauf, zumindest im Haus auf eine besonders leichte Weise aufzutreten. Ich kleide mich legere. Wie die Bühnenarbeiter trage ich Texashosen. Was immer noch funktioniert und immer funktioniert hat. Jedenfalls. Unsere fleißigen Handwerker haben den Eindruck, ich sei einer von Ihnen. Ohne weiteres könnte ich mich in der Kantine zu ihnen setzen, könnte wie es bei ihnen Brauch ist die nächste an der noch brennenden Zigarette entzünden, Karten spielen und Bier aus Flaschen trinken
Auch sei es am Theater üblich, die eigene Biografie zu proletarisieren, indem man beispielsweise die Behauptung aufstelle, man habe als Pflücker auf einer Apfelsinenplantage gearbeitet. Man habe nach einem aus politischen Gründen erfolgten Berufsverbot auf dem Rummel als Schiffsschaukelbremser arbeiten müssen. Man sei Nachtwächter in einer Fabrik gewesen. Man habe als Hilfspfleger in einer Klinik für Geisteskranke Geisteskranken den Arsch abgewischt. Man habe, wie der Dramatiker Lutz Hübner, bevor man einen Beruf ausüben konnte, einen anderen Beruf ausgeübt
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